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6) Was von einer in der Urzeit vorhandenen Heilquelle, von einem verwundeten Ritter, welcher dort Heilung fand und aus Dankbarkeit eine Kapelle, ein Kloster erbaute, was von Pilgerschaaren, die dort Heilung fanden, erzählt wird, ist reine Erdichtung. Eine Heilquelle war in der Vorzeit niemals vorhanden. Der gegenwärtige „Heilbrunnen“ ist eine Schöpfung von neuem Datum, und zwar vom Jahre 1729. Der Ort hieß bis gegen das Jahr 1400 nie anders als „Halsprun“ oder „Halesprunnen.“ Erst später begegnet man in den Aufschreibungen der Äbte und Mönche zu Heilsbronn einer andern Schreibart, hervorgerufen durch das Bestreben, Ortsnamen zu latinisiren und etymologisch zu deuten. So wurde aus „Halsprun“ oder „Halesprunnen“ – Hailsbronn und Fons salutis. Diese Deutung und Latinisirung fand solchen Beifall daß die Schreibart „Fons salutis“ bald allgemein in Gebrauch kam. Später hieß es: „Weil der Name Fons salutis vorhanden sei, so müsse auch eine Heilquelle vorhanden gewesen sein.“ Einmal irre geleitet, suchte man nach derselben außerhalb und innerhalb der Kirche und stempelte endlich im J. 1729 einen Schöpfbrunnen zur Heilquelle. Siehe Näheres hierüber in den Beiträgen S. 3, 4, 8, 22 bis 47, wo auch berichtet wurde, wie die im Kloster Marienburg bei Abenberg erfundene Brunnenfabel im J. 1729 ihren Weg nach Heilsbronn gefunden hat. In der Klosterstiftungsurkunde, in den überaus zahlreichen späteren Urkunden und in den Ausschreibungen der Äbte und Mönche ist nirgends die Rede von der Existenz einer Heilquelle oder von Geheilten, die aus Dankbarkeit eine Kapelle oder ein Kloster erbauten. Die Äbte und Mönche sprechen zwar oft von den Quellen, Röhrenfahrten und Brunnen in ihrem Kloster, niemals aber von einer Heilquelle daselbst. Einer der Mönche, Johann Wirsing, nachmals Abt, Verfasser des im IV. Abschnitt zu besprechenden „Direktoriums“, berichtet zwar ausführlich über den 1499 bis 1501 errichteten Brunnen mit 32 Röhren, lavatorium, und über andere Brunnen, lavatoria, gedenkt aber mit keinem Worte einer Heilquelle. In seinem lateinisch abgefaßten Berichte schreibt

Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/19&oldid=- (Version vom 1.8.2018)