Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2).pdf/22

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

nichts auf den Pfarrer.“ Der Abt sandte die Verhandlung an den Markgrafen mit dem Bemerken: „Das Gotteshaus in Großhaslach ist so arm, daß es dem Pfarrer die althergebrachten Jahrtage nicht mehr reichen kann.“ Über Großhaslach vor und nach dem Reformationsjahrhundert siehe Abschn. VII.


5. Ammerndorf.

In und über Ammerndorf wurde im Reformationsjahrhundert sehr viel verhandelt, aber nur ein einziges Mal über Religion, und zwar bezüglich einer religiösen Sekte, welche dort, wie nachher berichtet werden wird, vorübergehend auftauchte. Die übrigen Verhandlungen zeigen, wie höchst traurig dort während jener ganzen Periode das Gemeinde- und Pfarrhausleben gestaltet war. Beim 26. Abt Wenk ist berichtet worden, daß Joh. Kopp von 1526–30 Pfarrer daselbst war, doch nur dem Namen nach; denn er bezog zwar die Pfarreinkünfte, wohnte aber als Domvikar in Würzburg und ließ seine Stelle in Ammerndorf durch einen Andern versehen. Im Jahr der Konfessionsübergabe in Augsburg (1530) bezog Lor. Lobenherbst die Pfarrstelle in Ammerndorf. Gleich bei seinem Amtsantritt mußte der Abt Schopper in Gegenwart des Pfarrers und der ganzen Gemeinde darüber Bescheid geben: „Ob der Pfarrer auch in Abwesenheit des Zehntpflichtigen auszählen dürfe? ob er seinen Zehnten von Kraut und Rüben sogleich wegschaffen müsse? ob schon von 2 bis 6 Krautbeeten der Zehnte zu geben sei, ob von 3 bis 8 Hühnern eines?“ u. s. w. Lobenherbst mußte vom Abt aufgefordert werden, einen Bürger von Schwabach, der wegen einer Schuld wiederholt angerufen hatte, doch endlich zu befriedigen. Die in allen heilsbronnischen Pfarreien, sonach auch in Ammerndorf oktroyirte Reformation hatte Lobenherbsts Verehelichung, aber keine Reform seines pastoralen und häuslichen Lebens zur Folge. Er wurde von seinen Parochianen Hans Reiter beim Klostergericht verklagt, weil er, der Pfarrer, unter dem Spittler Thor zu Nürnberg auf ihn gehauen und gestochen habe. Nach Vernehmung der Augenzeugen, welche von Nürnberg in das Klostergericht Bonhof

Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)