Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/47

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genug gewesen wären. Aus eigener Kraft können es auch die damaligen Bewohner der Gegend nicht getan haben; dazu waren sie viel zu schwach und zu zerstreut. Der Bischof von Würzburg wäre an sich die geeignetste Persönlichkeit dazu gewesen; allein das erst 741 gegründete Bistum hatte ohnehin mit näherliegenden Aufgaben genug zu tun, auch dürften ihm die nötigen Mittel gefehlt haben. Vor allem aber bedurfte es, um alle Hindernisse zu bewältigen und alle verfügbaren Kräfte einzusetzen, besonderer Vollmachten, wie sie nur der Landesherr geben konnte. So kommen wir von selbst wieder auf den fränkischen König, und zwar auf Karl den Großen, in dessen Zeit die Gründung der Urpfarreien in unserem Lande gefallen sein muß.

 Wir wissen, daß dieser mächtige Herrscher sehr auf die Herstellung kirchlicher Ordnung in seinem Reiche bedacht war. Gerade von Ostfranken ist uns berichtet, daß er für die Wenden in Oberfranken nicht weniger als 14 Pfarrkirchen bauen ließ, und zwar durch den Bischof von Würzburg, dem er dazu Auftrag und Vollmacht gab. Was liegt näher als die Annahme, daß er einen ähnlichen Auftrag für Mittelfranken, soweit es neu besiedelt war, erteilte? Hierzu hatte er besonderen Anlaß eben durch die Ansiedlung von Sachsen, von denen wir im dritten Abschnitt hörten. Er wollte doch die Sachsen zum Christentum bekehren, so mußte er alles tun, damit sie diesen Glauben kennenlernten. Vielleicht hat der damalige Bischof von Würzburg ihn selbst auf den kirchlichen Notstand in unserer Gegend aufmerksam gemacht. Jedenfalls dürfen wir annehmen, daß der Bischof von Würzburg mit den nötigen Vollmachten zur Errichtung von Pfarreien und zum Bau von Kirchen ausgestattet wurde, daß weiter auch die Gaugrafen angewiesen wurden, dabei nach Kräften mitzuwirken. Aus allem darf geschlossen werden, daß die Gründung der Pfarrei Sachsen und wohl gleichzeitig auch der Pfarreien Leutershausen und Roßtal annähernd gleichzeitig mit der Ansiedlung der Sachsen erfolgte. Wir werden nicht irren, wenn wir ungefähr das Jahr 800 n. Chr. festhalten.

 Eine Frage drängt sich dabei auf: Warum wurde gerade Sachsen als Pfarrsitz genommen? Wenn schon Ansbach nicht in Frage kommen konnte, warum dann nicht ein Ort, der noch mehr im Mittelpunkt der alten Rezatsiedlungen gelegen war, z. B. Immeldorf oder eine ähnliche Niederlassung? Es ist selbstverständlich, daß man nicht der wenigen „Sachsen“ wegen die Rücksicht auf die vielen schon länger ansässigen Bauern zurückstellte, sondern es müssen andere Gründe ausschlaggebend gewesen sein. Sie sind unschwer zu erkennen. Dem Bischof von Würzburg, wie auch dem Gumbertuskloster zu Ansbach, mußte alles daran liegen, daß die neue Kirche noch auf klösterlichem Grund und Boden zu stehen kam,