Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/86

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Verehrung. Es sind meist weniger bekannte Heilige, denen aber in ihrer Gesamtheit außerordentlich viel Möglichkeit zur Hilfe in allen Nöten zugesprochen wurde. In der berühmten Wallfahrtskirche „Vierzehnheiligen“ in Oberfranken haben sie eine bekannte Stätte der Verehrung gefunden, zu der heute noch viele Wallfahrten ziehen.


d) Weihen und andere Bräuche

 Viel Gewicht legte man in alter Zeit auf Weihen aller Art. Bekannt ist das Weihwasser, mit dem der Geistliche bei bestimmten Anlässen die Gläubigen besprengt und mit dem sie sich selber beim Ein- und Ausgang an der Kirchentüre besprengen. Bekannt ist auch der Weihrauch, wie er bei katholischen Gottesdiensten gebraucht wird. Aber die Weihen griffen damals noch viel weiter. In der Brandenburgisch-Ansbachischen Kirchenordnung von 1533 hören wir noch von „Wachsweihen“, womit Osterkerzen gemeint sind, die man in der Kirche weihen ließ und daheim zur Vertreibung von Unheil und bösen Geistern anzündete; weiter von „Palmen“, d. h. den blühenden Weidenzweigen mit den sogenannten Palmkätzchen, die man im Gotteshause weihen ließ, um sie daheim aufzustecken oder auf die Felder hinauszutragen, beides zur Gewinnung von Schutz und Segen für Haus und Feld; dann von „Osterfladen“, d. h. Osterkuchen, die man zur Weihe in die Kirche trug, damit das Brot im Jahr gesegnet ist; endlich von einer „Kräuterweihe“, womit wohl die Weihe der Feldfrüchte gemeint ist oder auch anderer „Kräuter“, die man im Hause gebrauchte.

 Was die Feldfrüchte betrifft, so erzählen uns die ältesten Kirchenrechnungen von Neukirchen von einem „Flurumritt“, der alljährlich im Frühjahr stattfand, also von einer Prozession, bei der ein Teil der Männer zu Pferd voranritt, während der Geistliche mit dem übrigen Teil der Gemeinde nachfolgte; unter Gebeten und Gesängen zog man durch die Feldflur, die der Geistliche segnete und deren Saaten und Wieswuchs er weihte. Ebenso wird uns von einer Hagelfeier aus Neukirchen berichtet, vermutlich einem ähnlichen Bittgang durch die Fluren alljährlich im Sommer, um Hagelschaden abzuwenden. Was in Neukirchen geschah, wird jedenfalls anderwärts in gleicher Weise vor sich gegangen sein. Hagelfeiertage waren übrigens nach der Reformation auch in evangelischen Gemeinden vielfach recht beliebt, wenn sie auch nur im Gotteshause gehalten wurden.

 Daß an Fronleichnam die geweihte Hostie als Leib („Leichnam“) des Herrn („Fron“, alter Name für Herr) in feierlichster Weise umhergetragen wurde, war selbstverständlich. Von Wallfahrten wird uns zwar nicht ausdrücklich aus der Gemeinde berichtet; wir wissen aber sonst, daß man z. B. am Pfingstmontag gern nach Ansbach zur