Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/233

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Das öffentliche Auswendigspielen.

Nennt es nun ein Wagstück, oder Charlatanerie, so wird das doch immer von großer Kraft des musikalischen Geistes zeugen. Wozu auch diesen Souffleurkasten? warum den Fußblock an die Sohle, wenn Flügel am Haupt sind? Wißt ihr nicht, daß ein noch so frei angeschlagener Accord von Noten gespielt, noch nicht ein halbmal so frei klingt, wie einer aus der Phantasie? O, ich will aus Eurer Seele antworten: allerdings kleb’ ich am Hergebrachten, denn ich bin ein Deutscher – erstaunen würde ich freilich in etwas, brächte plötzlich die Tänzerin ihre Touren, der Schauspieler oder Declamator seine Rollen aus der Tasche, um sicherer zu tanzen, spielen, declamiren; aber ich bin wirklich wie jener Philister, der, als einem Virtuosen die Noten vom Pult fielen, und dieser trotzdem ruhig weiter spielte, siegend ausrief: „Seht! seht! das ist eine große Kunst! – der kann’s auswendig!“

F–n.




Das Anlehnen.

Würde ohne Shakespeare Mendelssohns Sommernachtstraum geboren worden sein, obgleich Beethoven manchen (nur ohne Titel) geschrieben hat? Der Gedanke kann mich traurig machen.

F–n.

Ja – warum zeigen sich manche Charaktere erst selbständig, wenn sie sich an ein anderes Ich gelehnt