Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/032

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Westfalen) gebürtig war, wie auch Johann Bergmann von Olpe zu Basel wohl ein Verwandter von ihm sein mag.

Einer der bedeutendsten Buchdrucker Kölns war Johann Koelhoff aus Lübeck, der ebenfalls von 1470 ab daselbst in Thätigkeit trat; er starb im Jahre 1493. Unter den 80 Druckwerken, die von ihm bekannt sind, befinden sich 7 Werke in deutscher Sprache, die für den Sprachforscher wegen des darin vorherrschenden niederdeutschen Dialekts ein hervorragendes Interesse bieten. Die Nachricht übrigens, daß Johann Koelhoff seine Typen aus Basel vom Schriftgießer Leonhart bezogen habe, beruht nur auf einer oberflächlichen Prüfung der Verse, die am Schlusse von Franciscus de Platea „Opus restitutionum“ von 1474 stehen. Die erste und zweite Ausgabe dieses Werkes druckte nämlich Bartholomäus von Cremona im Jahre 1472 (Hain, Nr. 13034, 13036). In der zweiten sind bereits dieselben Verse, wie sie die Koelhoffsche Ausgabe von 1474 aufweist, nur mit einer Namensänderung enthalten, derart, daß hier statt „Basileae“ und „Leonardus“, „Cremonae“ und „Bartholomaeus“ steht. Weiter gibt es jedoch eine 1473 zu Padua erschienene Ausgabe, die genau dieselben Verse und auch dieselben Namen, wie die Koelhoffsche enthält. Demnach war es denn zunächst Leonhard (Achates) aus Basel, der die cremoneser Ausgabe zu Padua nachdruckte und die betreffenden Verse auf sich passend umgestaltete. Ein Nachdruck dieses Nachdrucks ist dann die Koelhoffsche Ausgabe von 1474, in welcher dieselben Verse gedankenlos stehen gelassen wurden. Derartige Beispiele unverständigen Nachdrucks kennt die ältere Buchdruckergeschichte schon von Schöffer an nicht wenige. So enthalten z. B. ein Dutzend verschiedene Ausgabe von Bartholomäus de Chaymis’ „Confessionale“ alle dieselben Distichen am Schlusse, welche Christoph Valdarfer in Mailand als Drucker nennen, und doch stammt nur Eine Ausgabe von diesem her, während in allen andern die gedachten Verse mechanisch nachgedruckt worden sind.

Auf Johann Koelhoff folgte im Geschäft sein Sohn gleichen Namens. Man verwechselt fast allgemein beide Persönlichkeiten miteinander, da der Jüngere sich ebenfalls Johannes Koelhoff Lubecensis nannte; man muß sie jedoch trennen, da der ältere Koelhoff bereits 1493 starb, die von 1494 bis 1500 gedruckten Werke also unbedingt einem jüngern angehören. Unter diesen Werken befindet sich auch die berühmte „Cronica van

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 096. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/032&oldid=- (Version vom 1.8.2018)