Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/049

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Zu den dort genannten Meistern wird auch der zweite bekannte Buchdrucker Basels, Michael Wenszler, gehört haben, obgleich seine typographische Thätigkeit urkundlich erst vom Jahre 1472 an festgestellt ist. In eins der drei Exemplare der von Michael Wenszler in Gemeinschaft mit Friedrich Biel herausgegebenen Briefe Gasparini’s von Bergamo, welche sich auf der baseler Bibliothek befinden, hat der Käufer Magister Jakob Lauber die Notiz eingetragen, daß er das Buch am 1. Dezember 1472 gekauft habe, sodaß also dessen Druck spätestens in dieses Jahr fallen kann. Michael Wenszler ist eine interessante Persönlichkeit, unternehmend und geistig hervorragend, vom Glück aber wohl durch eigene Schuld wenig begünstigt. Er wurde in Straßburg geboren (wann aber, ist nicht bekannt). In Basel befand er sich schon 1463, denn in der „Matricula studiosorum Universitatis Basileensis“ liest man unter dem Monat Mai dieses Jahres „Michahel Wensenler de Argentina dedit totum“ (die ganzen Immatrikulationsgebühren). Die Ausübung der Buchdruckerkunst verlangte damals noch einen Bildungsgrad, welchen man vorerst nur auf Universitäten erreichen konnte, welcher aber auch von vornherein den Buchdruckern Anspruch auf eine bevorzugte Stellung gab. Die Buchdruckerkunst wurde daher auch zu den freien Künsten gerechnet und die Buchdrucker waren (wenn in Basel überhaupt schon zünftig) bei allen Zünften. So zählt denn auch Wenszler zu einer ganzen Reihe von Männern, die in den sechziger Jahren als akademische Bürger zu Basel immatrikuliert waren und später einen großen Ruf als Buchdrucker erlangten. Nach Ludwig Siebers Mitteilungen gehören zu ihnen außer Wenszler unter andern folgende: Hans Wurster aus Kempten (1460), der 1472 in Mantua druckte und 1482 baseler Bürger wurde; Ulrich Gering aus Konstanz, der bekannte erste pariser Drucker (1461); Peter Metlinger aus Augsburg, später in Dijon in seinem Fache thätig; Eberhard Fromolt von Basel, in der Folge Drucker daselbst; Heinrich Turner von Basel, später in Tolosa, sämtlich in demselben Jahre (1461); Leonhard Achates (Eckardt) von Basel (1466), Drucker in Vicenza; Johannes von Besigheim (1469), seit 1478 baseler Bürger und Buchdrucker; Peter Kölliker von Bern (1470) und Nikolaus Keßler von Bottwar (1471).

Als erster Druck Wenszlers gilt der schon angeführte „Liber Epistolarum Gasparini Barzizii Pergamensis“. Er ist der erste baseler Verleger, der sich zeitweise und für die Herstellung einzelner Werke mit

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/049&oldid=- (Version vom 1.8.2018)