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1482 in Bologna, 1483 in Venedig, 1486 in Siena, 1491 in Lucca thätig. Hermann Lichtenstein aus Köln (Levilapis) ließ sich erst in Vicenza 1475 bis 1476 nieder, zog dann nach Treviso 1477 bis 1486, kehrte von dort 1486 nach Vicenza zurück und arbeitete zuletzt in Venedig, zu dessen vorzüglichsten Druckern er gehörte. Leonhard Achates aus Basel tritt zu Anfang der siebziger Jahre schon vor Erhard Ratdolt in Venedig auf und wendet sich 1473 nach Padua, ist aber schon 1474 in St. Ursino und 1475 in Vicenza. Auch in Neapel bürgerte ein deutscher Drucker, Sixtus Riessinger aus Straßburg, 1471 die Buchdruckerkunst ein. Fast nur Deutsche sind hier thätig, wie Mathias aus Olmütz (1475 bis 1490), Berthold Reging aus Straßburg (1475 bis 1477), Jodocus Havenstein aus der Diöcese Speyer (1475), Heinrich Alding, der früher in Messina gewirkt hatte (1476), Konrad Guldemund (1478) und Joseph Gunzenhauser (1487 bis 1490); doch gelangte Neapel als Druckerstadt erst später zu einiger Bedeutung. Es würde ermüdend sein, die Namen der bedeutendsten deutschen Drucker weiter einzeln aufzuzählen. Einmal wären über 100 Druckereien zu berücksichtigen, dann aber ist von ihrer Thätigkeit kaum eine einzige Thatsache erhalten. Soweit nicht Deutsche die Buchdruckerkunst eingeführt haben, tritt auch die Druckerthätigkeit der italienischen Städte aus dem Rahmen der gegenwärtigen Darstellung heraus; so z. B. die alte Universität Bologna, wo die Buchdruckerkunst schon 1471 durch Balthasar Azzoguidi Eingang findet, indessen die Deutschen die Hauptarbeit thun.

Dagegen soll hier noch einer der hervorragendsten deutschen Wanderdrucker ausführlicher besprochen werden. In ihm veranschaulicht sich die große Kulturmission dieser bescheidenen Männer für Italien und das südliche Frankreich; erst neuerdings ist er in seiner Bedeutung gewürdigt worden. Es ist dies Johann Neumeister (oder Numeister) aus Mainz. Der französische Bibliograph A. Claudin hat in einer vortrefflichen kleinen Schrift, welche gründliche Forschung mit sicherer kritischer Methode verbindet, das trübe, aber zugleich lehrreiche Bild des Lebens und Strebens dieses verdienten Mannes entworfen.[1] Begeistert für seinen Beruf und hingebend in ihm schaffend, wird er trotzdem von Nahrungssorgen verfolgt und zieht, vergebens eine bleibende Stätte für seine Thätigkeit suchend, rastlos von Ort zu Ort, von Land zu Land, bis er endlich, in seinen berechtigtsten Hoffnungen getäuscht, von bitterer Armut verfolgt,


Fußnoten

  1. Claudin, A., Antiquités Typographiques de la France. Origines de l’Imprimerie à Albi en Languedoc (1480–1484). Les Pérégrinations de J. Neumeister, Compagnon de Gutenberg en Allemagne, en Italie et en France (1463–1484). Paris 1880. 104 Seiten.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/014&oldid=- (Version vom 1.8.2018)