Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 03.djvu/016

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„auctor“, den Urheber, des Buches, sich selbst aber, Johannes Almanus, als Drucker. Das dritte und bedeutendste Erzeugnis der folignanischen Presse war aber 1472 Dante’s „Göttliche Komödie“. „Das bin ich“, ruft Neumeister am Ende mit eigenartigem Stolze aus, „ich, der Meister Johannes Neumeister, der ich meine Sorgfalt dem Druck dieses schönen Werkes gewidmet habe; es stand mir aber dabei zur Seite der Folignaner Emil Orsini, der mein Evangelist gewesen ist, der meine Ankunft angekündigt und mich der Welt bekannt gemacht hat“.

Nach 1472 hörte die Druckerei in Foligno auf, da der Absatz bedeutend hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Orsini hatte nur zugesetzt und seine Mittel ziemlich erschöpft. So ging er denn nach Rom und trat 1474 als Münzmeister in den Dienst des Papstes, in welcher Stellung er die von Neumeister erlernten Kenntnisse verwertete. Die Zeiten waren eben schlecht, und gute Geschäfte wurden um so weniger gemacht, als die Konkurrenz auf allen Seiten wuchs und den Markt überall beschränkte. In demselben Jahre baten ja auch aus dem nämlichen Grunde Schweinheim und Pannartz den Papst Sixtus IV., und Philipp de Lignamine, ein anderer römischer Drucker, den Abt des Klosters St. Placidus, Matthäus de Marcho, vergebens um Unterstützung. Neumeister ging wahrscheinlich zunächst auf einige Zeit nach Rom, während seine Mitarbeiter, Stephan, Ambracht und Kraft dem Rufe eines reichen Patriciers, Branco Braglione, nach Perugia folgten; auch er wollte seiner Vaterstadt die Vorteile „der teutonischen Kunst“ sichern. Die hier errichtete und der Universität gehörende Druckerei stand unter der Leitung des Deutschen Johann Bydenast (Weidenast), Minister almae Universitatis Perusinae, unter welchem jene drei arbeiteten. Nach Vermiglioli[1], dessen Angaben Claudin bestätigt, lieferten sie als erstes Werk 1473 den lateinischen Kommentar des perusinischen Rechtsgelehrten Baldus zum Justinianeischen Codex. Dieses Verhältnis löste sich gegen Ende 1476 oder Anfang 1477, da die in Perugia wütende Pest die Drucker nach Rom trieb. Zudem klagte Stephan im September 1477 gegen Weidenast, weil er lange keine Zahlung erhalten hatte. Neumeister andererseits ging nach Deutschland zurück und taucht hier erst 1479 in Mainz wieder auf. Ohne Angabe des Orts, doch, wie Schrift, Papier und andere Eigentümlichkeiten ergeben, druckte er hier die mit 34 Metallschnitten ausgestatteten „Meditationes Joannis de Turrecremata“; die Schlußschrift


Fußnoten

  1. Vermiglioli, G. B., Principj della Stampa in Perugia e suoi progressi per tutto il secolo XV. Perugia 1820. S. 209.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/016&oldid=- (Version vom 1.8.2018)