Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 03.djvu/023

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die Verhältnisse günstig zu liegen. Er begann hier seine Thätigkeit, wenn nicht schon 1480, so doch bestimmt im Jahre 1481 und blieb bis 1484. Mit nur geringen Mitteln versehen, brauchte er eine ziemliche Zeit, um seine beiden ersten Drucke, die „Epistolae Aeneae Silvii de Amoris Remedio“, ein Büchlein von nur acht Blättern, und die „Historia septem Sapientum“, eine Schrift von 48 Seiten in Doppelspalten, zu vollenden. Um sich der Geistlichkeit gegenüber zu sichern, erklärte er am Schlusse als seinen Zweck bei der Herausgabe des zuletzt genannten Werks: „Zur Verbesserung der Sitten der Männer und Frauen“. Das dritte Erzeugnis der Neumeisterschen Presse in Albi sind die „Meditationes Cardinalis Joannis de Turrecremata“, welche Ausgabe, am 17. November 1481 vollendet, mit fast allen Stichen des mainzer Drucks von 1479 versehen ist. Sein vierter und letzter Druck, welcher Albi als Druckort angibt und Ende 1483 oder spätestens Anfang 1484 erschien: „Ordo missalis secundum usum Romanae Ecclesiae“, enthält 304 zweispaltige Seiten in Folio und ist ein Meisterwerk der Kunst; es erinnert namentlich in seinen schönen gotischen Typen an die mainzer Schule. Das Missale fand in Lyon, wie auch im ganzen südlichen Frankreich, eine gute Aufnahme, weil es die dort im Gebrauch befindliche Gregorianische Liturgie, d. h. den uralten römischen Ritus, abdruckte.[1] Aber dem armen Neumeister, selbst von seinem Gönner, dem Bischof Louis von Amboise, im Stich gelassen, entging auch jetzt wieder der ehrlich verdiente Gewinn. Schon 1485 brachte Mathias Huß in Lyon, durch den guten Abgang der Ausgabe verlockt, einen Nachdruck.

Neumeister stand nach vierjährigem fleißigen Schaffen neuen Nahrungssorgen gegenüber; in Lyon, das er wohl von Anfang an im Auge behalten hatte und wo er nun vom Jahre 1485 an seine Thätigkeit fortsetzt, hoffte er eine bleibende Stätte zu finden. Der Erzbischof dieser Stadt, Kardinal Karl von Bourbon, ein Mäcen der Wissenschaft, Freund des Kardinals Bessarion und Gönner Wilhelm Fichets, gab ihm den Auftrag, eine neue Ausgabe des „Missale Ecclesiae Lugdunensis“ herzustellen. „Gedruckt“, heißt es in der Schlußschrift, „auf Befehl des Kardinals Karl von Bourbon, im Jahre 1487 von Johann von Mainz, auch Jehan von Albi genannt.“ Das Werk erschien 1487, zweispaltig in Folio, mit großer gotischer Schrift gedruckt. Die Ausführung ist


Fußnoten

  1. Claudin a. a. O. S. 67.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/023&oldid=- (Version vom 1.8.2018)