Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 03.djvu/040

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Pynson, der bis 1529 über 200 Werke aus seinen Pressen hervorgehen ließ.

Schließlich muß hier noch, wenn auch nur kurz, der Einführung der Buchdruckerkunst in Dänemark und Schweden gedacht werden. Das erste Buch, welches überhaupt in Dänemark erschien, war eine lateinische Beschreibung der Belagerung von Rhodus und wurde 1482 von Johann Snell in Odense auf Fünen gedruckt. Man weiß nicht, woher er kam, noch wohin er schließlich ging; denn nur einmal noch taucht er im folgenden Jahre als Drucker eines einzigen Buchs in Stockholm auf. Seinem Namen nach zu urteilen war er ein Niederdeutscher, dessen Schreibart nach ein Westfale. Offenbar war er einer jener Wanderdrucker, die bald hier, bald dort, mit ihrem kleinen Vorrat von Schriften unbedeutende Schulbücher oder Flugblätter herstellten und durch deren wohl nur langsam zu ermöglichenden Vertrieb eine kümmerliche Existenz fanden. Einige Jahre später fand Snell einen Nachfolger in Gottfried af Ghemen, der 1489 oder 1490 in Kopenhagen einen Donat druckte. Er gilt zwar als Holländer, wenigstens hatte er, bevor er nach Dänemark kam, in Gouda und Leyden gedruckt; aber Ghemen ist eine Herrschaft im nordwestlichen Münsterlande und stammte er möglicherweise von dort. Zudem waren anfänglich die in Holland thätigen Drucker und Setzer fast ausschließlich Deutsche aus den benachbarten Landesteilen, und so mag auch Gottfried in derselben Weise wie Snell zunächst als ärmlicher Wanderdrucker begonnen haben. In der dänischen Hauptstadt wirkte er allerdings 20 Jahre lang (1490 bis 1510); indessen kann man mit Sicherheit nur 19 Drucke als aus seiner Presse hervorgegangen bezeichnen. Einige davon sind ganz verloren gegangen, andere wieder erlebten mehrere Ausgaben. So erschien die dänische „Reim-Chronik“ von 1495 bis 1508 in vier Auflagen und in zwei (1506 und 1508) die dänische „Sprichwörtersammlung“ von Peter Laale. Gottfried druckte vor allem Schulbücher, geschichtliche und dichterische Schriften, religiöse Werke und endlich die wichtigsten der damals noch geltenden alten Provinzialgesetze. Er war arm und lebte von der Hand in den Mund; seine Bücher waren voller Druckfehler, ärmlich, wenn auch vielfach mit Holzschnitten, doch nur mit herzlich schlechten, ausgestattet und mit nur zwei Arten von Typen hergestellt. Auch der Buchhandel, den er mit seiner Druckerei verband, mag ihm nur wenig eingebracht haben.

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 219. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/040&oldid=- (Version vom 1.8.2018)