Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 09.djvu/071

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Reformation wurde, als sein Vetter, Kurfürst Friedrich der Weise (1468 bis 1525), sich von Anfang an als ihr eifrigster Förderer erwies. So verbot Georg die neue Lehre sofort bei ihrem ersten Auftreten in seinem Lande, vertrieb jeden, der nur dem lutherischen Gottesdienste beiwohnte, und rief seine in Wittenberg studierenden Unterthanen von dort zurück, damit sie das lutherische Gift nicht einsögen. Schon 1522 verlangte er von den benachbarten Fürsten gemeinsame Maßregeln gegen das Umsichgreifen der Reformation und rief die Hilfe des Kaisers gegen dieselbe an. Sein Hauptzorn aber traf die leipziger Buchdrucker und Buchführer, welche lutherische Schriften vertrieben; unverzügliche Austreibung war ihre Strafe. Der leipziger Buchdrucker Michael Blum bat in folgendem rührenden Briefe, ihm und seinen Kindern den Aufenthalt in Leipzig nicht zu verbieten. Er ist am Tage der heiligen Katharina (25. November) 1525 geschrieben und erklärt sich selbst:

„Nachdem ich im jüngst vergangenen Sommer ein deutsches Büchlein, so Martin Luther gegen den Canonem gemacht, aus Unverständnis und unwissend, daß solches E. Fürstlichen Gnaden entgegen sei, gedruckt habe, derohalben E. F. G. einem Rat allhier zu Leipzig mich in Straf zu nehmen gnädigen Befehl gethan, welches denn geschehen, also daß mich der Rat bis in die dritten Wochen im Gefängnis gehalten hat, Und so ich nunmehr nach Erforderung meiner Nahrung mich von Leipzig zu wenden geursacht, und hat auf E. F. Gn. weitern Befehl ein Rat allhier mir gesagt, daß ich, wie ich mich von hinnen wend, die Stadt Leipzig fortan meiden soll, welches nicht allein mir, sondern auch meinen armen Kindern und ander meiner Freundschaft an ihren, auf Handwerkszünften, und also auch an unsrer Nahrung zum wirklichen Nachtheil und Schaden gedeihen möchte, derohalben wage ich an E. F. G. als meinen barmherzigen und milden Landesfürsten meine ganz demüthige, unterthänige und fleißige Bitte, E. F. G. wollen angesehener Strafe des Raths allhie zu Leipzig gnädige Sättigung haben, das Übrige, so ich vielleicht verwirkt, mit E. F. G. mildern Barmherzigkeit urtheilen und mir, allen den Meinen und mir zu wirklichem Nachtheil die Stadt Leipzig nicht zu verbieten.“

Aus Leipzig, der damals großen und fast einzigen sächsischen Druckerstadt, vertrieben zu werden, hieß für einen dortigen Drucker ziemlich soviel als ins Elend wandern, denn in den kleinern Städten der Nachbarschaft

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 592. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_09.djvu/071&oldid=- (Version vom 1.8.2018)