Seite:Gräfin Trixchen.pdf/37

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Sicharski soll das Geld erhalten. Mehr noch. Ich werde ihm einen Empfehlungsbrief an meinen Vater mitgeben. Dem soll er sich anvertrauen. Heinrich Lüders liest sofort jedem Menschen auf dem Grunde der Seele. Ich bin gespannt, wie er Deinen Schützling beurteilen wird.“

Beatrix Gesicht hatte bei den letzten Sätzen einen Ausdruck schwerer Enttäuschung angenommen. Als die Mutter jetzt schwieg, sagte sie mit leisem Vorwurf in der Stimme:

„Mama, ich ahne, was Du vorhast. Du willst uns trennen. Gerhard Sicharski soll fort von hier. Der Empfehlungsbrief ist das Lockmittel, das ihn nach Dresden führen soll.“

Und nach einher kleinen Pause setzte sie hinzu: „Hast Du auch daran gedacht, Mama, daß mein Schützling sofort merken muß, von wem das Geld herrührt, wenn Du ihm ein an Großvater Lüders gerichtetes Schreiben übergibst? Dann muß er sich ja das Richtige zusammenreimen, und die Folge wird sein, daß er das Geld sofort zurückgibt. Denn – fragt er mich direkt nach dem unbekannten Spender, eben ob ich es gewesen sei, so kann ich doch nicht lügen. Ich würde mich auch fraglos verraten, würde verlegen werden. Nein, Mama, Deine Person muß hier vollkommen ausscheiden. Siehst Du das ein?“

Gräfin Sarma nickte seufzend. Und dann sagte sie, indem sie sich neben ihre Jüngste setzte und diese sanft an sich zog:

„Kind, so unrecht hast Du nicht mit Deinen Bedenken. Und doch möchte ich nur zu gern, daß Gerhard Sicharski vorläufig unsere Stadt verläßt. Ich darf nicht dulden, daß Ihr beide weiter zusammenkommt. Du bist noch zu jung, um Deine Zukunftshoffnungen jetzt schon an einen Menschen zu ketten, der sich erst noch eine Stellung erringen soll“ – Sie

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/37&oldid=3325331 (Version vom 1.8.2018)