Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/225

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verliehen hat. Hieraus erhellet, was ein Musikus in eigentlichem Verstande, welchen man gemeiniglich einen Virtuosen nennet, für ein Mann ist, und daß solche Leute billig in Ehren zu halten sind, auch ihnen ein reichlich Auskommen muß verschaffet werden, denn sie wachsen nicht so zahlreich wie die Schwämme, und können auch nicht durch die Kunst hervorgebracht werden wie die Orgelpfeifen, sondern die gütige Natur bringt sie nur dann und wann hervor, wenn sie ihr Spiel haben, will wie die Weidenrosen, oder die Kornstengel mit hundert Aehren. Das wissen diese Herren auch gar wohl, darum blehen sie sich nicht selten auf wie die Untervögte, und haben ihre Mucken wie die Pferde, die den Sonnenschuß bekommen. Ich könnte von ihrem Eigensinne manches artige Stückgen anführen, wenn ich mich nicht der Kürze befleißigen wollte. Nur einger im Vorbeigehen zu gedenken, so sind einige Virtuosen so eigensinnig, daß sie sich durchaus nicht wollen hören lassen, so lange sie ein volles

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/225&oldid=- (Version vom 1.8.2018)