Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/226

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Glas im Gesichte haben. Ich kenne einen Schulmeister, der mein Freund ist, der diesen Wurm auch hat und allen Gläsern erst auf den Boden siehet, ehe er seine Violine stimmt, welches denen, die von seiner Kunst etwas hören wollen, oftmals theuer genug zu stehen kommt, weil er auf einen Sitz mehr austrinken kann als zehen Schnitter in der Erndte. Andere lassen sich nicht anders als durch Schläge bewegen, ihr Saitenspiel anzurühren, und thun das gezwungen, was man weder durch gute Worte noch durch Verheißungen von ihnen erhalten kann. Einige haben die wunderliche Gewohnheit an sich, daß sie sogleich aufhören zu spielen, wenn sie gelobt werden, und hingegen fortfahren, wenn man sie für Stümper und Hümpeler hält. Ich habe auch von einem Virtuosen sagen hören, daß er sich allezeit, wenn er ganz besonders durch seine Geschicklichkeit sich hätte hervor thun wollen, in den größten Gesellschaften entkleidet habe, als wenn er zu Bette gehen wollte. Ein loser Vogel hätte

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/226&oldid=- (Version vom 1.8.2018)