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Oberländer und die „Fliegenden“.
Von
Ola Hansson.
– München. –

Meine ersten Bekanntschaften in der deutschen Litteratur und Kunst – von Vossens „Louise“ abgesehen, mit der uns der Gymnasiallehrer in kleinen Rationen gewissenhaft quälte – waren Reuter und Oberländer.

Fritz Reuter war für die Ferien auf dem Lande. Einer meiner Brüder besaß die ganz vorzügliche schwedische Uebersetzung seines „Ut mine Stromtid“, und das Buch wurde meine Lieblingslektüre während des Faullenzens der Sommermonate. Die Erinnerungen an dasselbe sind noch heute mit dem Duft gemähter Wiesen und den Bildern aus der Erntezeit, dem Angeln in den Fischteichen, wo große Aborren in dem blanken Wasser stille standen, und den Halbträumen unter den schattigen Obstbäumen mit roten, reifen Sommeräpfeln verschmolzen. Jedesmal, wenn ich das Buch wieder vornahm – und ich habe es sehr oft gelesen –, wirkte das Einleitungskapitel immer wieder gleich ergreifend auf mich, wobei vielleicht auch die eine oder andere verwandte eigene Kindheitserinnerung mit tätig war; und dieser Anschlag des Reuter’schen Hauptwerkes ist auch in der Tat stark und echt in seinem künstlerischen Realismus und von der traurigen Stimmung einer Auktion auf dem Lande gesättigt, – wie der ehemalige Besitzer in der regnerischen Abenddämmerung noch einmal in dem öden Hof die Runde macht und Abschied nimmt, wo die Hausfrau gestorben und Alles in ein paar Stunden zersprengt und verschleudert worden. Ich kann noch heute nichts Anderes finden, als daß Reuter eine ganz ausgeprägte und kaum genügend gekennzeichnete Sonderstellung in der deutschen Litteratur einnimmt. Man kann ihn bei Weitem nicht mit dem Merkzeichen des größten norddeutschen Humoristen abfertigen: er ist – um das so arg

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Ola Hansson: Oberländer und die „Fliegenden“. S. Schottlaender, Breslau 1904, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hansson_Oberl%C3%A4nder_und_die_Fliegenden.djvu/1&oldid=- (Version vom 1.8.2018)