Seite:Hermann von Bezzel - Die zehn Gebote.pdf/54

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Munde führen, auch nicht bei frommen Gesprächen. Liest man die Briefe sogenannter Erweckter oder solcher, die erweckt sein wollen, so könnte man leicht Überdruß an diesen triefenden Redensarten, mit denen der Name Gottes entheiligt wird, empfinden. Ach, du willst jemand dein Beileid bezeigen. Meinst du, es tut’s, wenn du viele Worte machst und eine Reihe von Bibelworten aneinander setzest? Du willst jemand Glück zu einem freudigen Tag wünschen. Ist es notwendig, daß du ihm eine ganze Fülle frommer Worte schreibst? Die Kürze des Wunsches ist auch seine Wahrheit und die Wahrheit des Wunsches ist Schlichtheit und die Schlichtheit macht nicht viele Worte.

 Wir sollen bei seinem Namen nicht schwören. Das muß von früh auf gelernt werden, daß jedes Wort echt sei. Bitte, ehe du sprichst: Gib meinem Worte Nachdruck ohne Verdruß! Bete, ehe du schreibst; laß die wenigen Zeilen von Salz und Weihe durchgeistigt sein. Wende dich an den, der so wenig Worte gemacht hat und doch sein ewig Wort hat Fleisch werden lassen, daß Er dir Kürze, Wahrheit und Echtheit schenkt. Denn wo man bei Gottes Namen eilig, überflüssig und überschüssig handelt, da ist die unheimlichste Gewalt, die Gott angetan werden kann, nicht fern, die Gewalt der Zauberei.

 Unsere Alten haben eine doppelte Zauberei unterschieden: die Zauberei des Schauens und die Zauberei des Wirkens.

 Die Zauberei des Schauens, die man wohl auch „Wahrsagerei oder Weissagen“ nennt, wobei Weissagen nicht mit Weisheit zusammenhängt, sondern mit weisen, zeigen, schauen, in die Zukunft blicken.

 Und die Zauberei des Wirkens oder der Tat: eine Gestaltung der Verhältnisse ohne Gottes Willen mit Gottes Name.

 Da ist zunächst das Wahrsagen. Welch eine Nacht ist über unserm Volk und nicht zum mindesten über unsern