Seite:Hermann von Bezzel - Erziehungsfragen.pdf/6

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Pflanzt zu Häupten mir die Tanne,
Denn sie weiß von einem Manne,
Der zu Weihnacht kommen ist,
Der den Tod für mich geschmecket,
Meine Schulden zugedecket,
Preis und Lob dir, Jesu Christ! –

 Das andere Gedicht aber begreift in sich das Bekenntnis seines Lebens von den

drei köstlichen Dingen,

dem geduldigen, dem freudigen und dem festen Herzen.

 Diese drei köstlichen Dinge aus Gottes Schatzkammer, alte Perlen von unvergänglichem Glanze und hellstem Lichte sollen die Weisheit widerstrahlen, welche vom Throne des größten Erziehers ausgeht und nie vergeblich von denen gesucht und erbeten wird, welche der Weisheit ermangeln. Allen modernen und unmodernen Erziehungs- und Verziehungsgrundsätzen zum Trotze, ferne von einer irdischen Weisheit, die betrügt und betrogen wird, steht das Wort:

 Es ist ein köstliches Ding einem Manne, daß er das Joch in der Jugend trägt (Klagel. 3, 27). Ein Dichter aber, Friedrich Rückert, dessen Todestag wir am 31. Januar zum fünfzigsten Male begingen († 1866), hat in seiner Weise dieses alttestamentliche Wort erläutert:

Frohlocke nicht, verzogenes Kind,
Daß dir Ohrfeigen selten sind.
Auszahlen wird dir einst die Welt,
Was dir die Mutter vorenthält.

 Das Joch der Jugend ist von Gottes starker und doch linder Hand aus drei Stäben zusammengefügt: Lerne gehorchen, lerne dich anstrengen, lerne verzichten.

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Erziehungsfragen. Müller & Fröhlich, München 1917, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Erziehungsfragen.pdf/6&oldid=2902176 (Version vom 9.9.2016)