Seite:Herzl Philosophische Erzaehlungen.djvu/214

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Wiederholt ertönte das silberne Gelächter, der unübertrefflichen Lanz-Birkenstein – ihr silbernes Gelächter, das ihr sobald Niemand nachmacht. Urdrollige Trinksprüche entflatterten den Champagnergläsern. Nach dem historischen Ernst der Ansprachen im Theater nunmehr die Munterkeit. „Nach dem Kothurn der Soccus,“ wie sich der Dramaturg imposant ausdrückte. Diesem gelang es auch in einem unbewachten Augenblicke, ein längeres Festgedicht vorzutragen. Das war aber der einzige Wermuthsbecher, der den Gästen gereicht wurde. Im Uebrigen eitel Wonne, Genuß, Kollegialität, Freundschaft. Schaumschlager ging mit dem Glase in der Hand von Einem zum Andern, dankte jedem Einzelnen nochmals tiefgerührt. Herrn Eberling aber umarmte und küßte er dreimal. Dann standen die beiden Männer stumm und ergriffen da, Hand in Hand, und sie sahen einander treu in die Freundesaugen. Und beide dachten sich dabei etwas, nämlich: „Komödiant! …“

Am nächsten Morgen erwachte Herr Schaumschlager mit ziemlich schwerem Kopfe. Als er dann seine Gedanken so weit gesammelt hatte, schellte er seinem Diener und verlangte – wie es jeder halbwegs große Mann thut, auch wenn er’s öffentlich leugnet – stürmisch die Zeitungen. Der Diener brachte sie zugleich mit der Chocolade und meldete, daß sich im Vorzimmer zwei unbekannte junge Leute befänden.

„Aha, wahrscheinlich schon wieder Genies, die entdeckt werden wollen!“ brummte Schaumschlager ungnädig vor sich hin und nahm die viel interessanteren Zeitungen vor. Spaltenlange Berichte über das gestrige Jubiläum – selbstverständlich! Er las sie aufmerksam durch. Da stand natürlich auch Eberling’s Rede. Ah verdammt! Die gewisse Stelle vom „höchsten Greisenalter“ brachte der „Unabhängige“

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Theodor Herzl: Philosophische Erzählungen. Gebrüder Paetel, Berlin 1900, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Herzl_Philosophische_Erzaehlungen.djvu/214&oldid=3329632 (Version vom 1.8.2018)