Seite:Herzl Philosophische Erzaehlungen.djvu/213

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Liebhaber – ferner weil in dieser Rede ein später vielbesprochener Passus vorkam. „Möge es Dir vergönnt sein, großer Meister, noch im höchsten Greisenalter die ersten Liebhaber zu verkörpern!“ … Bei diesen sympathischen Worten zuckte der Verherrlichte ein wenig zusammen. Dann sprachen noch der Chef der Comparserie, der Ober-Maschinist im Namen des technischen Personals, der Kassier im Namen der Hülfsbeamten. Als Letzter überreichte der Dramaturg seine Broschüre, die er auf eigene Kosten hatte drucken lassen und in welcher er nach einem kurzen, aber gelehrten Rückblicke auf die Geschichte des Theaters bei den Culturvölkern die entscheidende Bedeutung Schaumschlager’s für die Kunst des neunzehnten Jahrhunderts verfocht. Und all dieses Lob nahm der Gefeierte demüthig hin. In seinen Antworten – er antwortete Jedem ausführlich, bloß dem Dramaturgen nicht, weil da die Zeit schon zu sehr vorgerückt war – lehnte er das Uebermaß der Anerkennung bescheiden ab. Er nahm lediglich die Rolle des „einfachen Soldaten, der seine Pflicht gethan“, für sich in Anspruch – wie seine Vergleiche überhaupt vorwiegend militärischer Art waren. Er erwähnte „die Fahne, der wir alle folgen“, und ähnliche rührende, begeisternde Dinge. Die Thräne floß denn auch in Strömen, namentlich bei jenen Damen, die sich schon abgeschminkt hatten. Die unübertreffliche Lanz-Birkenstein schluchzte wiederholt laut auf – ihr berühmtes Schluchzen durch die Nase, das ihr sobald Niemand nachmacht.

Nach der Thräne floß der Champagner in Strömen. Im Prachtsaale des „Blauen Ochsen“ versammelte man sich zu einem großen Souper, dem auch die Berichterstatter der beiden Blätter freundlichst zugezogen wurden. Heitere Scherze würzten das köstliche Mahl. Die Komiker des herzoglichen Theaters führten eine kleine Schnurre auf.

Empfohlene Zitierweise:
Theodor Herzl: Philosophische Erzählungen. Gebrüder Paetel, Berlin 1900, Seite 208. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Herzl_Philosophische_Erzaehlungen.djvu/213&oldid=3329631 (Version vom 1.8.2018)