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ABENDSTIMMEN

Der Sommerwind streicht übers Gras
Hin über die bebenden Herzen,
Über die goldenen Königskerzen,
Und meine Augen sind von Tränen naß.

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Dort reifen Beeren sommerrot,

Wir pflückten sie zu zweien.
Die Schnitter ziehn in Reihen,
„Es ging ein Schnitter, der heißt Tod“.

Mein Liebchen liegt im kühlen Grab,

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Meine Stirne streifen des Sommers Hände,

Oh fänd’ ich dich am Ende
Der Welt, ich ging hinab.

’S ist alles heimatfernes Land,
Drauf meine Füße treten können,

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Ich fühl’s im Herzen brennen,

In unstillbarem Brand.

Die Wandervögel ziehn zu Tal,
Das Abendrot wird blaß und blässer,
Mir wär es besser,

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Zu sterben, wie das Himmelsmal.


Die Schnitter ziehn den Weg hinab,
Meine Stirne streifen des Sommers Hände,
Wenn ich doch endlich Ruhe fände
Bei dir im Grab –

Empfohlene Zitierweise:
Sophie Hoechstetter: Vielleicht auch Träumen. Müller, München und Leipzig 1906, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hoechstetter_Vielleicht_auch_Traeumen.pdf/44&oldid=- (Version vom 1.8.2018)