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Unsere Untersuchung zerfällt daher, wie aus dem obigen ersichtlich, in drei Theile. Wir haben uns nach der Familie Koppernigk umzusehen, dann 2. zu untersuchen, wie schrieb sich Coppernicus selbst, endlich welcher Namensformen bedienten sich seine Freunde und die Urkunden, die ihn erwähnen.

1. Urkunden, in welchen der Name Koppernigk in irgend welcher Form vorkommt, sind vor der Geburt des Astronomen nicht gerade selten; nicht alle jedoch beziehen sich auf Vorfahren desselben. Das Geschlecht des Thorner Koppernigk’s stammt in seinen ersten Gliedern, welche sich schon 1400 in Thorn nachweisen lassen, aus dem Dorfe Koppernick (jetzt Köpprich) bei Frankenstein in der Grafschaft Glatz; die spätem Glieder desselben, speciell der Vater des Astronomen, sind aus Krakau nach Thorn eingewandert. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht abzuläugnen, dass diese Koppernigk’s mit den zuerst in Thorn eingewanderten (um 1400) verwandt, und also in Krakau ebenfalls aus Frankenstein eingewandert sind. Diejenigen Copirnik’s, welche aus dem Dorfe Kopernik bei Neisse stammen, kommen mit Doppel-p geschrieben überhaupt nicht vor. Auf sie beziehen sich die Urkunden, welche Stenzel, Urkunden von Breslau zu den Jahren 1272, 1291, 1296 anmerkt.

Die älteste Urkunde mit der Form Koppirnik findet sich bei Theiner, Monum. Pol. I. 369 zum Jahre 1335. In den Krakauer Acten finden sich nur Formen mit Doppel-p: 1367 Koppernic, 1375 niczco Coppernik, 1395 Niclos Koppirnig lapidum fractor, 1396 derselbe Niclos Koppirnig.[1] In Thorner Acten haben wir 1400 einen Koppernick und 1422 eine Margritte Koppirnickynne und einen Petir Koppirnick von Frankenstein; dann folgt ein Laurentius Koppirnik, endlich 1462 aus Krakau einwandernd Niclos Koppernick, der Vater des Astronomen. Dieser als Rathsherr findet sich von da an bis zu seinem Tode sehr häufig in den Thorner Acten. Ich kann hier jedoch mich kurz fassen und auf die grundlegende Arbeit L. Prowe’s verweisen: Die Thorner Familien Koppernigk und Watzelrode. Es ist danach kein Zweifel, dass in Thorner und Krakauer Acten fast ohne jede Ausnahme der Name der Familie mit Doppel-p geschrieben wird.

2. Gehen wir jetzt auf den Astronomen selbst über. Hier werden wir alle autographen Unterschriften desselben besprechen müssen, denn nur so können wir darüber Gewissheit erhalten, wie er sich in der überwiegenden Mehrheit der Fälle selbst geschrieben hat. Eigenhändige Unterschriften des Coppernicus besitzen wir noch 29. Von einer Anzahl, welche 1854 bei der Herausgabe der Warschauer Edition des Coppernicus noch vorhanden waren, fehlt jetzt alle Nachricht und sie sind in obiger Zahl nicht einbegriffen. Dass nämlich in der Warschauer Ausgabe beabsichtigt war eine Orthographie für den Namen Coppernicus durchzuführen, ist klar, da auch drei Briefe, deren Originale mir vorgelegen haben, und welche alle drei das Doppel-p in der Unterschrift besitzen, doch in dieser Ausgabe mit einem p gedruckt sind. Nur ein im Anhange nachträglich aus Prowe’s Mittheilungen aufgenommener


  1. Diese Notizen sind einem Briefe des Professors Karliński an Prof. L. Prowe vom 3. 1. 79. entnommen. Die letzte hatte schon Prowe in dem unten erwähnten Programme benutzt.
Empfohlene Zitierweise:
Nicolaus Copernicus: Nicolaus Coppernicus aus Thorn über die Kreisbewegungen der Weltkörper. Ernst Lambeck, Nürnberg und Thorn 1879, Seite XIII. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kreisbewegungen-Coppernicus-0.djvu/19&oldid=- (Version vom 16.5.2017)