Seite:Lieder und Balladenbuch-Strodtmann-1862.djvu/45

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und der Begründung aufprägen, indem man alle Vorfälle, und namentlich den Ton des Ganzen, der Entwicklung des dichterischen Planes dienstbar macht.

Es herrscht, wie mir scheint, ein gründlicher Irrthum in der Art, wie man gewöhnlich eine Roman-Erzählung zu Stande bringt. Entweder bietet Einem die Geschichte ein Thema – oder ein Tagesereignis giebt dasselbe an die Hand – oder bestenfalls sucht der Verfasser eine Reihe spannender Vorfälle zu ersinnen, die bloß die Grundlage seiner Erzählung bilden, – wobei er dann in der Regel mit Schilderungen, Gesprächen oder eigener Reflexion die Lücken der wirklichen oder erfundenen Handlung ausfüllt, die sich von Seite zu Seite bemerklich machen.

Ich beginne lieber damit, die Wirkung in Betracht zu ziehn. Indem ich immer die Anforderung der Originalität vor Augen behalte (denn Derjenige betrügt sich selbst, der auf einen so einleuchtenden und so leicht erreichbaren Quell des Interesses verzichten will), frage ich mich zum Ersten: „Welche von den unzähligen Wirkungen oder Eindrücken, für die Herz, Geist oder Seele empfänglich sind, soll ich für den vorliegenden Fall auswählen?“ Nachdem ich mich erstens für eine Novelle, und zweitens für eine recht lebhafte Wirkung entschieden, überlege ich, ob ich letztere besser durch die Handlung oder durch den Ton – ob durch gewöhnliche Handlung und besonderen Ton, oder durch das Umgekehrte, oder durch Eigenthümlichkeit der Handlung wie des Tones – erreichen kann, und blicke dann nach solchen Kombinationen der Handlung oder des Tones umher (oder vielmehr in mich hinein), die am geeignetesten sind, mir die gewünschte Wirkung herbeiführen zu helfen.

Ich habe mir oftmals gedacht, einen wie interessanten Journalaufsatz ein Schriftsteller schreiben könnte, der sich vornähme, – d. h. der es vermöchte, – Schritt vor Schritt die Geistesprocesse zu schildern, durch welche irgend eine seiner