Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/146

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Sache,“ sagte er; und ich muß ihn doch sehen. Er legte seinen Morgenrock an, schlich durch ein Hinterpförtchen aus dem Schloße, und stand auf einmal vor dem Spielmann.

Lulu erschrak fast vor dem rauchhaarigen Riesen mit Wurstlippen, Hängebacken und weitem Schlappbauche, der mit kleinen Schweinsaugen ihn anblinzelte, die tief im rothhaarigen Kopfe lagen.

„Du pfeift gar hübsch, alter Eisbart, will ich dir sagen; denn ich verstehe Etwas von deiner Sache, das kannst du mir glauben.“

„Ei, antwortete Lulu, das will ich Euch denn wohl glauben, denn Ihr seid ja ein stattlicher Herr, der gewiß weit in der Welt umher gewesen ist, wo man so Etwas schon lernt. Euch glaub ichs, aber mir selbst freilich hätt ichs nimmermehr geglaubt!“

„Höre! sagte der Zauberer, willst du Dienst bei mir haben, und mein Spielmann werden?“

„Nein, Herr! ich diene Niemand, antwortete Lulu; der Spielmann und der Sänger müßen frei sein, wie die Vögelein Gottes unter dem Himmel, sonst werden Klang und Stimmen heiser. Auf hohen Befehl spielts und singts sich nicht gut!“

„Bist ein närrischer Kautz, bei meiner Treu! lachte der Zauberer; aber trage nur die Nase nicht gar zu hoch; man will ja doch leben!“

„Zu leben find ich überall, sprach Lulu, denn wo ich hin komme und wo mein Spiel gefällt, da hab ich Alles vollauf. Ich könnte schon Schätze gesammelt haben, aber was mach ich damit? Hab ich Kleid und Speise und einen Becher guten Wein, so hab ich, was ich brauche; und wo ich mit meinem Spiel eine frohe Stunde kann machen, da bin ich recht willig und bereit,