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Billiger Sonntag.

„Nun, wie befinden Sie sich, Verehrtester?“ fragte der alte Marabu seinen Nachbarn, den Jabiru. Der Marabu hatte sich schon eine ganze Weile die warme Morgensonne auf die ehrwürdige Senatorenglatze scheinen lassen und wieder, wie jeden Morgen, darüber nachgedacht, auf welche Weise er wohl am besten die frechen Spatzen bei seinem Freßnapf erwischen könne, selbstverständlich ohne daß er sich dabei seiner Würde begäbe. Als der lange afrikanische Storch aus seinem Käfig humpelte, machte er ihm eine tiefe Verbeugung und richtete teilnahmsvoll und höflich die übliche Frage an ihn.

Der Jabiru lächelte süßsauer und humpelte näher: „Morgen, mein Lieber. Mir geht es nicht gerade erstklassig. Das verdammte Podagra!“ Und damit hob er den geschwollenen rechten Fuß hoch und zeigte ihn dem Marabu.

„Ja ja,“ lächelte der, „so was kommt von so was! Fortgesetzter Lebenswandel, mein Bester! Die noblen Passiönchen, hehehe! Das rächt sich später. Bohnenabkochung soll dafür sehr gut sein; von Vietsbohnen, wissen Sie.“

Der Jabiru rümpfte den Schnabel und schüttelte sich: „Nee, was mir fehlt, das sind Schlammbäder, lieber Senator. Acht Tage lang im warmen Salzschlamm langsam spazieren gehen, das hilft. Aber heiß muß er sein, wie da unten in Afrika. Will sehen, ob ich dieses Jahr nicht hinkomme. Etwas hilft die Sonne hier ja auch, aber es ist nicht das Richtige. Und gestern, bei dem billigen Sonntag, da zog ich

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/26&oldid=- (Version vom 1.8.2018)