Seite:Loos Sämtliche Schriften.pdf/416

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Der erste einwand gegen die wohnküche ist immer: wir wollen ein zimmer haben, in dem es nicht stinkt. Auf die frage, woher der gestank komme, sagt man mir: vom kochen. Aber für die ernährung des menschen wäre es sehr gut, wenn so gekocht würde, daß es nicht stinkt. Tatsächlich kann in allen räumen, in denen gekocht und gegessen wird, in einer art und weise gekocht werden, daß jeder gestank unterbleibt. Ich sehe gar nicht ein, warum die speisen stinken, einen unangenehmen geruch haben müssen. In vornehmen haushaltungen wird mehr bei tische gekocht als in gewöhnlichen. Das ganze frühstück wird bei tisch zubereitet. Mit hilfe eines spirituskochers oder eines elektrischen kochers werden eine eierspeise, schinken und eier, ein beefsteak zubereitet – lauter dinge, die einen angenehmen geruch haben. Blumenkohl oder kraut, auf die noch tags zuvor ein nachttopf entleert wurde, hat es eben nicht zu geben. Immer mehr und mehr wird in den restaurants das kochen in die großen speisesäle verlegt, neue große restaurants wurden gebaut, in denen ein mächtiger rotisseur vorhanden ist, an dem die köche vor dem publikum hantieren, und wo jeder zusehen kann, wie gekocht wird. Je mehr solche speisehäuser gebaut werden, desto stärkeren zulauf haben sie. Die leute freut es, zuzusehen, und eines schönen tages wird in jedem bürgerhause die küche auch das speisezimmer sein. In Frankreich gibt es schon eine menge leute, die ein speisezimmer mit kochgelegenheit haben. Poiret, der moderne damenschneider, hat sich auch eines bauen lassen. Ich selbst baue in Paris mehreren häusern rotisseure ein, große kamine, worauf alle speisen gebraten werden. Nur diejenigen speisen, die lange vorbereitungen brauchen, werden aus der küche

Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 414. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/416&oldid=- (Version vom 1.8.2018)