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nicht durch das Wasser sich retten kann. Nur einem armen Manne aus dem Costhale soll vor langer Zeit der Raub dieser Königskrone gelungen sein. Denn als er nach gelungener Flucht am andern Morgen nach seinem Tuche sah, hatte der Otterkönig die goldne Krone darauf abgelegt.




327.
Nixenliebschaft.

Die Nixe, die in der Saale wohnt, kam vor Zeiten auch manchmal ans Land. Bethört von ihrer Schönheit hatte sich ein unlängst erst verheiratheter Bauer aus Wilhelmsdorf in einen Liebeshandel mit der Nixe eingelassen. Die junge Frau merkte Unrath, schlich ihrem Manne nach, und traf richtig die beiden an, wie er mit ihr koste und sie ihren Arm um ihn geschlungen hatte. Das konnte sie nicht so mit ansehen, denn sie hatte ihren Mann freßlieb. Sie trat vor, zerraufte sich die Haare und jammerte dazu, als wollte sie sich die Augen aus dem Kopfe heulen. Die Nixe aber sprach: Weil Du Deinem Manne so gar gut bist, so nimm ihn mit, ich will keinen Theil an ihm haben. Das aber mache ich mir dabei aus, wenn Du in die Wochen kommst, und Zwillinge kriegst, so mußt Du mich zu Gevatter bitten. Ob dieß auch in der That geschehen, meldet die Sage nicht, aber außerdem weiß sie von Saalnixen erstaunlich viel zu erzählen. Wäsche bleichten die Nixen beständig. Einen Bauerlümmel, der mit seiner Dreckgeisel die feine Nixenwasche, die so rein wie Baumblüthe und frischgefallner Schnee auf der Wiese lag, beschmutzte, brach die Nixe auf der Stelle den Hals.

Empfohlene Zitierweise:
Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Zweiter Band. C. A. Hartlebens Verlags-Expedition, Wien und Leipzig 1858, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ludwig_Bechstein_-_Th%C3%BCringer_Sagenbuch_-_Zweiter_Band.pdf/197&oldid=- (Version vom 1.8.2018)