Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/111

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ist jüngst irgendwo an der Westfront in dunkler Nacht, ganz wie es im Buche steht, nach Indianerart aus dem deutschen Schützengraben vorgeschlichen in die französische Stellung und hat dort eine feindliche Telephonleitung durchschnitten, und das jugendliche Alter hinderte nicht, daß er die Heldenauszeichnung des Eisernen Kreuzes erhielt.

II

Von der Führung wird alles getan, um den guten soldatischen Geist im Garnisondienste zu pflanzen und im Felde zu erhalten. Der Dienst im Stellungskriege stellt außerordentliche Anforderungen an die körperliche und seelische Spannkraft, deren Erhaltung erzielt wird durch ausreichende Nahrung, zweckmäßige Schonung der Kräfte, durch zeitliche Ablösung der Besatzungen der Schützengräben. Man verhütet es nach Möglichkeit, die Kräfte der Leute bis zur Erschöpfung anzustrengen. Gesundheitlich Angegriffene werden rechtzeitig zur Erholung in den Garnisondienst zurückgezogen oder erhalten Urlaub. Man sieht denn auch hier fortwährend eine Menge Beurlaubter. Selbst gesunde Leute werden nach einer größeren Leistung oder nach längerem anstrengendem Dienste für mehrere Tage nach Hause beurlaubt. Ich war höchlich erstaunt, letzter Tage im Bahnzug Metz-Diedenhofen einige Pioniere, welche die Erstürmung des Forts Camp des Romains bei St. Mihiel mitgemacht, anzutreffen, die auf Befragen erklärten, sie seien für zehn

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 107. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/111&oldid=- (Version vom 1.8.2018)