Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/126

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ist eine Erscheinung von echt soldatischem Gepräge. Die hohe elegante Gestalt mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen, aus denen zwei lebhaft blitzende Augen hervorleuchten, ist von einer beneidenswerten geistigen und körperlichen Frische. Mit elastischem Gange schreitet er wie ein Junger über die Sturzäcker und überwindet die Hindernisse des Geländes.

Auf der Fahrt zu dem Vorpostenabschnitt werde ich auf verschiedene befestigte Stellungen, die mit großer Geschicklichkeit, namentlich gegen Fliegersicht, verdeckt sind, aufmerksam gemacht. Ein viele Kilometer langer Höhenrücken ist in einen starken, sturmfreien Schutzwall verwandelt, der ohne eine sehr bedeutende artilleristische und infanteristische Überlegenheit unangreifbar ist. Der Vorpostenabschnitt, in den der Kraftwagen uns führt, ist von einem Flüßchen durchzogen, das bei dem gegenwärtigen hohen Wasserstand schon an sich ein bedeutendes Annäherungshindernis bildet. Durch Stauung ist ein Teil des Tales unter Wasser gesetzt. Vorbereitungen sind getroffen, um das der Hauptstellung des Abschnittes vorliegende Gelände in größerem Umfange zu überschwemmen, für den allerdings bei der gegenwärtigen Sachlage unwahrscheinlichen Fall, daß die Franzosen mit überlegenen Kräften die Stellung angreifen sollten. Straßen- und Wegesperren sind vorbereitet und die Vorkehrungen getroffen, um die Brücken zu sprengen.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/126&oldid=3353101 (Version vom 1.8.2018)