Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/99

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gingen und über die Festung hinüberflogen, arg zerschossen. Das Haus in der Mitte ist unbeschädigt, aber geschlossen. Keine Seele weit und breit. Wie ich hinüberblicke, lese ich über der Haustüre: Hôtel de la paix — Friedenshof!




Schonung von Kunstschätzen im Kriege

Die deutsche Kriegsführung ist wiederholt angeklagt worden, unnötigerweise Kunstschütze zerstört zu haben. Auch aus neutralen Staaten ist sie deshalb auf Grund einseitiger Berichte voreilig in Protesten mit Vorwürfen überhäuft worden, die meines Erachtens unbegründet waren. Freilich, das ist nicht zu bestreiten, daß die deutschen Heeres- und Truppenführer, so wenig wie die Gegner, Kunstgegenstände schonen, wenn der Kriegszweck deren Zerstörung erfordert. Sie würden ein Verbrechen an ihrem eigenen Volke begehen, wenn sie anders handelten. Wenn der Feind den Turm einer Kathedrale als Beobachtungsposten benützt oder hinter ihr seine Batterien ausstellt, so beschieße ich diese Kathedrale, mag ihre Zerstörung hundertmal als Barbarei bezeichnet werden. Eine viel größere Barbarei wäre es, wenn ich als verantwortlicher Truppenführer anders handelte und dadurch vielleicht Hunderte braver Krieger dem Verderben preisgäbe und die eigene Kriegskraft schwächte. Krieg ist Krieg, und wer seinen Endzweck erreichen will, muß die Vernichtung des Feindes wollen. Wenn

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/99&oldid=3353321 (Version vom 1.8.2018)