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war zu Ende. Sie hatten sehr lange beraten, und zuweilen hatte ich auch eins der hastig geraunten Worte verstanden. Chubur schien sich dafür einzusetzen, daß ich in alles eingeweiht werden sollte. Mein Coy aber hegte offenbar noch Bedenken.

Coy sagte dann zu mir: „Kommen Sie, Mistre …“

Ich zögerte. Und dieses Zögern galt Edith Gordon. Coys Augen glitten der Richtung meiner Blicke nach, und die waren auf das braune Zelt gebannt. Durfte ich die Miß wirklich hier allein lassen?! Schließlich waren’s doch nur halbe Wilde, meine araukanischen Freunde. Aber im nächsten Moment reuten mich bereits diese Zweifel. Halbe Wilde – ja. Doch niemals hätten sie sich an einem Weibe vergriffen – niemals!

Coy war zuweilen ein erstaunlicher Gedankenleser. Sein Gesicht wurde streng und hoheitsvoll. Indem er den Kopf mit einem Ruck in stolzer Bewegung zurückbog, sagte er nur: „Mistre Freund – kommen! Kennen El Gento seine Brüder noch immer nicht?!“

Ich nickte ihm zu. „Es ist eine Europäerin, Coy … Verzeih’. Gehen wir.“

Er schritt rasch die Schlucht abwärts. Hinter einem mächtigen Haufen faulender Stämme, deren muffiger fader Gestank mir den Atem benahm, bog er auf einen kaum erkennbaren schmalen Grat ab, der fraglos von Guanacos zuweilen besucht, in mehrfachem Hin und Her zur Höhe emporlief – zur Sonne, zur frischen Luft der Berge. –

Man hat es mir später in der Londoner Times

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/123&oldid=- (Version vom 1.8.2018)