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wollen) nur das berichten, was mir selbst interessant war.

Über die Tehuelchen vorher noch ein paar wichtige Bemerkungen. In dem Buche des argentinischen Verfassers Dr. Ramon Sibla habe ich die Kopfzahl der Tehuelchen (1921) auf rund dreitausend angegeben gefunden. Davon sollen etwa tausend in kleinen Horden noch als freie wilde Nomaden leben, während die übrigen seßhaft geworden und zumeist als Jäger, Fischer und Farmarbeiter für die „Zivilisation[1]“ gewonnen seien. Gewiß, gerade der unfruchtbarste Teil Südpatagoniens, baumlose Sandsteppe von traurigster Dürftigkeit, mag diese Zahlenangaben rechtfertigen. Meinen Erfahrungen und Coys Mitteilungen nach beträgt die Menge der wilden Tschultschen zumindest zweitausend, und in dem fruchtbareren Südwestteil nahe den Andenausläufern mit ihren dichten Waldungen stieß ich auf wandernde Abteilungen von hundert bis zweihundert Menschen, deren Pferdereichtum, Reitfertigkeit und Bewaffnung diese unvermischten Thonecas als ein ausgesprochenes Nomaden- und Reitervolk hinstellt. Das Guanaco und eine Bastardrasse von mittelgroßen, zähen und sehr bissigen Hunden, die fraglos Blut vom patagonischen Steppenwolf in sich tragen, bilden ihre Haustiere. –

Als wir die flachen Terrassen nun abwärtsschritten, sah ich schon von weitem auf der Blöße vor unserem Mooszelt eine eigenartige Ratsversammlung beieinander. Diese in Leder, zum Teil auch in derbe, europäische Anzüge gekleideten Halbwilden hatten Kiefern gefällt und als Sitze hergerichtet. In sechs Reihen saßen sie hintereinander, und nicht einer war unter ihnen, der

  1. Vorlage: Zivilation
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Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/129&oldid=- (Version vom 1.8.2018)