Seite:Mein Freund Coy.pdf/14

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sollen wir uns hier in der Wildnis mit Salonphrasen anöden?! – Mein Name ist van Braanken, Holländer von Geburt, nachher deutscher Untertan, Farmbesitzer in Deutschsüdwest gewesen, durch den Krieg alles verloren, daher aus Not Gelegenheitsarbeiter, bis ich vor einem halben Jahr nach Valdivia kam und Buchhalter bei Sennor Manuel Mastilo wurde, der einer der reichsten chilenischen Schafzüchter ist. Was dann geschah, ist genau so alltäglich wie mein ganzes Leben, das nur eine Kette von Fehlschlägen darstellt. Nie habe ich Glück gehabt, nie. Was ich auch begann, nachdem ich mit achtzehn Jahren meine Eltern verloren hatte, – nichts schlug zum Guten aus. Heute bin ich fünfunddreißig und … ein höchst überflüssiges Geschöpf, das nur den kläglichen Mut nicht findet, sich selbst eine Kugel vor die Stirn zu knallen. – Als Buchhalter bei Sennor Mastilo verschwanden mir aus der Kasse einige tausend Mark. Ich sollte das Geld gestohlen haben. Natürlich – ich! Und man verurteilte mich zu einem Jahr, sehr milde. Wir Sträflinge wurden beim Bau der neuen Hafenmole beschäftigt. Ich sprang ins Wasser, als niemand auf mich achtete, kroch unter einen Prahm und wurde nicht entdeckt. Nachts flüchtete ich weiter, stahl ein Pferd und wandte mich südwärts, stets bewohnte Gegenden meidend. Mit dem Pferde zugleich erbeutete ich diesen Lederanzug und meine Waffen. Der Mann, dem das alles einst gehörte, mußte hergeben, was er hatte. Ich hatte ihn niedergeschlagen und gefesselt. – Sehen Sie, El Gento, ich war bis dahin ein Mensch, der jederzeit hilfsbereit und rücksichtsvoll war und jede Gewalttat verabscheute. Aber

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Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/14&oldid=- (Version vom 1.8.2018)