Seite:OAB Sulz.djvu/257

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langem Rechtsstreit mit denen von Ow, als jetzigen Besitzern der Herrschaft Sterneck (s. Brandeck), die lutherische Pfarrei 1612 nach Fürnsaal verlegt und zu Unter-Brändi wieder katholischer Gottesdienst gehalten. Ende 1777 wurde aber die Kirche, wohin am Ende viele Processionen gegangen waren, und im Widerstreit mit Württemberg noch in den 1790ger Jahren gingen, von Württemberg geschlossen, da in der ganzen Herrschaft Sterneck nur noch ein Katholik war, was mit der Constanzer Curie einen 16jährigen Streit veranlaßte, in Folge dessen Württemberg eine jährliche Aufbesserung an die Pfarrei Leinstetten, 80 fl. für einen Meßner, 150 fl. für einen Vicar zahlen mußte. Im Jahre 1814 wurde sie an einen Bauern verkauft, ihr Thurm abgebrochen und sie selbst auf eine empörende Weise in ein Bauernhaus umgewandelt, welches an der Ostseite noch ein Fenster im Übergangsstyl und in seinem Innern vier alte romanische Säulen in der ehemaligen nun als Stall benützten Sacristei enthält. Daselbst befinden sich auch zwei Grabmonumente, das eines Herren von Ow vom Jahr 1680 und das der Gräfin Maria Auguste v. Attembs geb. v. Ow von 1725. Das früher in der Kirche aufgestellte Mutter-Gottesbild ist nach Leinstetten versetzt worden, weßhalb dort alljährlich der Tag der Übersiedelung gefeiert wird. Das gut gelegene ehemalige Pfarrhaus bewohnt der Revierförster.

Die Kinder besuchen die Schule in Fürnsaal, wohin sie 3/4 St. einen beschwerlichen Weg durch das Heimbachthal zu gehen haben. In Unter-Brändi war früher eine Stiftung „zu unserer lieben Frauen“, an der alle Einwohner der Lehensherrschaft Theil hatten; seit dem Jahr 1836 ist den Orten Fürnsaal, Sterneck, Wälde und Busenweiler jedem sein besonderer Theil an dieser Stiftung geschöpft worden. Von jener Stiftung wurde auch die Kirche in Unter-Brändi unterhalten.

Die Schicksale der Herrschaft Sterneck sind unter Brandeck erzählt.


Trichtingen
mit zwei Mühlen.

Gemeinde III. Kl. mit 642 Einw. wor. 21 Kath. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Harthausen, OA. Oberndorf, eingepfarrt.

Der ziemlich große, etwas weitläufig gebaute, freundliche Ort, liegt 21/2 Stunden südlich von der Oberamtsstadt in einem Flachthälchen am Fuß der Keuperterrasse, die sich hier über die Muschelkalkebene

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Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Sulz. Karl Aue, Stuttgart 1863, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAB_Sulz.djvu/257&oldid=- (Version vom 1.8.2018)