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geräumigen Schloßhof, der im Norden und Westen von dem aus zwei Flügeln bestehenden Schloß begrenzt wird, ein nach einem Brande im Jahre 1718 großentheils neuerbautes stattliches Gebäude mit einem Portal am Südflügel, an dem das Wappen des Klosters Schönthal angebracht ist; im Innern mit hübschen Räumlichkeiten, die jetzt vom Pfarrer bewohnt werden, und mit einer dem Erzengel Michael geweihten großen Kapelle, worin der Gottesdienst der Gemeinde gehalten wird, und welche die Rechte einer Pfarrkirche besitzt. Die schön ausgeschmückte Kapelle hat eine gerade verzierte Stuckdecke, einen Altar im Rococostil, und besitzt eine Pieta und eine Madonna mit dem Kind aus alter Zeit.

Unten an der Ostseite des Wohnhauses ist ein großer Stein mit vier Wappenschildern eingemauert, die von zwei Knappen gehalten werden; von den Wappen lassen sich noch erkennen das der Herrn von Weiler, von Vellberg und von Tachenhausen. Der Stein, in schönem gothischem Stil gehalten, war wohl früher über dem Thor angebracht. Östlich von der Burg liegt auf dem Bergrücken das Meßnerhaus und der Friedhof.

Minder gutes, etwas gipshaltiges Trinkwasser liefern der Gemeinde 3 Pumpbrunnen; in trockenen Jahrgängen tritt Wassermangel ein, das Wasser wird dann von dem nahegelegenen Lippoldsweiler bezogen. Quellen sind keine auf der Markung, an ihrer nördlichen Grenze fließt der Glaitenbach hin.

Eine Vicinalstraße geht von hier nach Waldenweiler.

Die Einwohner sind zumeist ein sehr gesunder Menschenschlag, doch finden sich darunter, jedoch viel weniger als früher, immer noch einige Kretinen, Kropfige, Taubstumme und Übelhörige. Unter den Krankheiten sind Entzündungskrankheiten am häufigsten; über 80 Jahre zählen gegenwärtig 3 Ortsangehörige.

Die Haupterwerbsquellen bestehen in Obstbau, Weinbau und Handwerken, unter letzteren herrschen Maurer und Zimmerleute vor, die sämtlich auswärts arbeiten. Auf Bestellung wird Wolle und Seide versponnen. Ein Kramladen und eine Schildwirthschaft besteht.

In Vergleichung mit den anderen Orten des Weissachthales ist Ebersberg der unbemittelste; die vermöglichsten Bürger besitzen 10–12 Morgen Feld und Weinberg, der Mittelmann 2–3, die ärmere Klasse 1/2–1 Morgen. Auf angrenzenden Markungen haben hiesige Bürger 10–12 Morgen.

Die auf der Markung gelegene Staats-Domäne Schloß Ebersberg umfaßt 272 Morgen, darunter 70 Morgen Acker, 32 Morgen Wiesen und 168 Morgen Wald; die Güter sind im einzelnen an mehrere Ortsbürger verpachtet.

Die kleine Markung bildet einen langgedehnten Bergvorsprung, von dem nur der schmale Rücken eben ist.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 170. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/170&oldid=- (Version vom 1.8.2018)