Seite:PhiloCongrGermanLewy.djvu/027

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy

an mit Verstand begabt, zunächst an der naturgegebenen schändlichen Torheit und Unbildung Anteil nehmen. Erst lange Zeit später, und zwar nach einer Dekade von Jahren – der vollkommenen Zahl – erwacht in uns das Verlangen nach einer gesetzmäßigen Bildung, die uns fördern kann.[1]

[17] 89 Über die Zehnzahl[2] haben Jünger der Musik eingehend gehandelt; der hochheilige Moses pries sie besonders, indem er ihr die schönsten Dinge widmete: die Herrschaften,[3] die Abgaben, die ständigen Geschenke für die Priester, die Beobachtung des Passahfestes, das Sühnopfer, den Schuldennachlaß in jedem fünfzigsten Jahr und die Rückkehr zum alten Besitz, die Aufrichtung des unzerstörbaren Zeltes und noch unzähliges Andere, dessen Erwähnung zu weit führen würde. 90 Was aber in diesen Zusammenhang gehört, soll nicht übergangen werden. So führt er z. B. den Noah, der in der Heiligen Schrift als erster Gerechter erwähnt wird,[4] als Zehnten in der Kette der Generationen nach dem Erstgeschaffenen ein, nicht in der Absicht, auf die Fülle der Jahre hinzuweisen, sondern um deutlich zu lehren, daß, wie die Zehnzahl das vollkommene Ziel der Einerzahlen ist, so auch die Gerechtigkeit der Seele das vollkommene <Gute>[5] und wahrhafte Endziel aller Handlungen im Leben sei. 91 Denn die Dreizahl, die sich zur Neunzahl potenzieren läßt, verkünden die

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy. H. & M. Marcus, Breslau 1938, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloCongrGermanLewy.djvu/027&oldid=- (Version vom 10.12.2016)
  1. Philo benutzt die biblische Datierung der Geburt Ismaels („10 Jahre nach der Wanderung Abrahams von Ägypten nach Kanaan“, vgl. 1 Mos. 16, 3 kombiniert mit 12, 10), um daran die geistige Entwicklung des Weisheitsschülers Abraham zu demonstrieren, der die ersten zehn Jahre seines Aufenthaltes in Kanaan, dem Lande der κακία (s. § 83), mit der Ablösung vom Bösen zubringt, ehe er zu Hagar, der Propädeutik der wahren Tugend, gehen darf. Ähnliche, an chronologische Angaben der Bibel anknüpfende allegorische Deutungen auf die geistige Entwicklung s. Erbe des Göttlichen § 293f. Über die Geburt Abels § 17f.
  2. Zum Exkurs über die Zehnzahl, der an pythagoreische Zahlenspekulationen anknüpft (s. § 89 μουσικῶν παῖδες) vgl. Über die Einzelgesetze II § 200f. Über den Dekalog § 20ff. und quaest. in Gen. IV § 110, wo eine (verlorene) Schrift Philos über die Zahlen (περὶ ἀριθμῶν) zitiert wird.
  3. Ἀρχαί bezieht sich auf § 92. Zum Folgenden vgl. die Disposition. – Philo führt die § 89 angeführten Exempel öfter mit der stereotypen Formel τοῦτ` ἐστί (‘das gleiche besagt’, sc. die Hochschätzung der Zehnzahl) ein. S. § 106. 107. 108. 109. 114.
  4. Zur Deutung des Namens des Noah vgl. Anm. zu Alleg. Erkl. III § 77 und Über die Landwirtschaft § 2.
  5. Hinter τέλειον ist mit Wendland ἀγαθόν einzusetzen.