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Der Eichelstein.

Der römische Feldherr Drusus war in Deutschland bis zur Elbe vorgedrungen. Hier stand er einst einsam am Ufer. Da erschien ihm ein riesenhaftes Weib in weißem Gewande, eine jener hochberühmten germanischen Seherinnen, welche auch in der Schlacht auftraten, und ihre Söhne, Verlobten und Ehegatten zur Tapferkeit ermahnten. Sie rief ihm zu: „Wohin strebst Du, unersättlicher Drusus? Du möchtest alle unsere Länder sehen, aber das Schicksal will es nicht! Flieh! Flieh! Du stehst am Ziel Deines Lebens!“ Infolge dieser Erscheinung soll Drusus den Rückweg angetreten haben. Dabei stürzte er mit dem Pferde und brach einen Schenkel. Er wurde nach Mainz gebracht, woselbst er starb. Er kann als der Gründer der Stadt Mainz angesehen werden. Bei seinen Legionen war er sehr beliebt. Sie setzten ihm ein Denkmal, dessen Überrest über den neuen Anlagen noch zu sehen ist und der Eichelstein heißt. Er ragt noch 13 Meter aus dem Boden hervor und erscheint als eine schwarzgraue, runde und turmartige Masse. Die äußere Quaderbekleidung und die Verzierungen sind längst verschwunden, Höhe und Form haben viele Veränderungen erlitten, nur der eisenfeste Kern steht noch und zeugt von der höhern Stufe menschlicher Kraft und Kunst, auf welcher die Römer gestanden.

Das Entstehen des Eichelsteines wird aber auch auf folgende Weise erzählt: Zu der Zeit, da sich unter den römischen Soldaten in Mainz schon

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Tonger & Greven, Berlin 1886, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Rheinlands_Sagen_und_Geschichten.djvu/41&oldid=3380983 (Version vom 1.8.2018)