Seite:Raisonnirendes Theaterjurnal von der Leipziger Michaelmesse 1783.djvu/59

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Verstand, weniger Wiz, aber mehr schmachtende Sanftmuth, und gewiß ein eben so vortrefliches Herz, als ihre traute Freundin, Sara. Madam Günther spielte diese Rolle mit vieler Innigkeit; nur den eigentlichen Coup de Maitre in selbiger verfehlte sie, meines Erachtens, ein wenig. Ich rede hier von dem Blik, den sie, statt eines wörtlichen Geständnisses ihrer Liebe, van der Hoeften im zweyten Auftritte des dritten Acts geben wollte. Der sollte eigentlich nichts weiter, als ein flüchtiger, verschämter, sanfter, Blik seyn, Madam Günther aber begleitete ihn mit einem Kopfniken, und mit einer convulsivischen Bewegung, die sichtbarlich ihren ganzen Körper erschütterte – dadurch artete sie in Grimmasse aus, und negligirte ihre charakteristische Schüchternheit mit einem mal zu sehr.

Madam Seconda hatte, als Anngen, Leopoldinens Cammerjungfer, nicht viel zu thun, desto besser machte sie die ganze Scene,