Seite:Raisonnirendes Theaterjurnal von der Leipziger Michaelmesse 1783.djvu/86

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Luise von Wegfort hatte sich durch Liebe zu einem Jüngling von unregelmäßiger Lebensart verstriken, zwar nicht zum sträflichsten Verbrechen, aber doch zu Gefälligkeiten, deren Erfolg sie bis zur Flucht aus dem väterlichen Hause trieb, hinreissen lassen, und innres Bewußtseyn ihrer unbeflekten Ehre konnte sie für den strengsten Urtheilen der Welt nicht schüzen, weil der Schein wider sie war. Natürlich also das verschämte Wesen, welches Madam Koch allenthalben marquirte, natürlich, daß sie immer den Kopf hieng, und die Augen niederschlug, natürlich, daß sie bey jedem Schritt mit sich selbst uneinig zu seyn schien, ob sie ihn vor- oder rükwärts thun wollte. So lange Madam Koch, bey dieser Attitude, der Natur und ihrer Rolle treu blieb, that sie alles, was man von ihr erwarten konnte. Gekränkte Liebe, Trostlosigkeit über Frizens Untreue, Wuth über seinen schriftlichen Antrag: ihm zu entsagen, wurden einmal Meister über sie, und brachen