Seite:Ruhlands Flurnamen Aufsatz von Lehrer C. Nicolaus, Ruhland 1931.pdf/3

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Grenze, die Parschen, die Finken, der Beerbusch, der kleine und große Koltschen; auf den Feldern und neben denselben bei unverbotener Zeit, auf der Kaupe und neben dem Damm ein klein Stückchen, ein versetztes Stück Wiesemwachs, Kochswinkel gënannt, auf den Naundorfer Wiesen bei unverbotner Zeit, gleichen wie sie bei uns zu tun pflegen. An Fischereien: kleine und große Koltschen, dies ist der Strom von der Raakmühle oder der Grenzstrom, so mit dem Schwarzbacher Mühlbach zusammenfließt; der Sieggraben an den bürgerlichen Wiesen, der Gutëborner und Schwarzbacher Grenzgraben, Lachmundsläukchen, der Schrotschack und der Gänseteich.”

Wie schon bemerkt wurde, geht ein Teii der Flurnamen auf wendischen Ursprung zurück. Eine Zusammenstellung und Ausdeutung erfahren wir in einem Aufsatz von P. Witschas (Großsärchen) über Orts- und Flurnamen des Kreises, aufgenommen im ”Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda”. Im Preschken, im Perschken oder Parschen stammt vom wendischen breza Birke oder auch von preki quer. Der Name Koltschen oder Collschen wird hergeleitet von colc Bienenstock„ Der Name Dernauken, abgewandelt zu Tarnauken enthält das altwendische dren Kornelkirsche. Schrotschack ist wahrscheinlich umgebildet von srjrdza = in der Mitte. Angefügt wird in der Übersicht noch die Bezeichnung Schmalersbusch, ein Wiesenstück, das den Familiennamen Schmaler (von Smoler der Picher) bahalten hat. Lachens Läukchen oder Lachmundsläukchen gründet sich auf luh oder niederwendich lug = Sumpf. Der Name Lachmund wird schon 1604 in dem Erbbuch (Urbarium) eines Herrn von Gersdorff (aufbewahrt im Gueborner Schloßarchiv) im Register der damaligen Einwohner Ruhlands erwähnt. Derselbe Name wird auch 1618 mit Hans Heink (Haynksrand !) zusammen nochmals genannt. Die im Jahre 1637 während des 30jährigen Krieges zusammengeschossene Kaupenburg, ein sogenanntes Wasserschloß, ähnlich dem Guteborner und Großkmehlener, stand auf einer kupa = Insel (kupki = Inselchen). Den gIeichen wendischen Stamm findet man auch in der Kuppke odar kupka, jener kleinen Geländeerhöhung im Stadtinnern, über die heute die Bergstraße führt.

Damit haben die fremdanklingenden Flurnamen bereits ihre Erklärung gefunden. Die übrigen sind verdeutscht oder überhaupt reindeutschen Ursprungs, so daß nur dort einige Bemerkungen beigefügt werdën sollen, wo sich etwas Bedeutsames in Erfahrung bringen ließ. Das leichteren Verständnisses halber sind in der beigegebenen Skizze die Flurnamen eingezeichnet. Die Angaben beschränken sich in der Hauptsache auf die Ruhländer Stadtflur. Hervorgehoben muss auch werden, dass das Verzeichnis der Namen durchaus nicht den Anspruch auf unbedingte Vollzähligkeit machen darf. Die Erfahrung bei der Erforschung der Flurnamen hat gelehrt, daß einzelne Besitzer von Ländereien die Lage ihrer Grundstücke nach eigenem Ermessen bezeichnen. Dadurch sind weitere Flurnamen entstanden, die nicht allgemeine Geltung haben und demzufolge noch von untergeordneter Bedeutung sind. Häufig stimmen auch die gebräuchlichen Legebezeichnungen nicht mehr mit den Angaben auf den Kataster-Kartenblättern und in der Mutterrolle überein; als nach 1860 die Fluren vermessen und in den amtlichen Karte ëingetragen wurden, stützten sich die Lagebenennungen auch nur auf mündliche Überlieferungen, worauf sich eine große Menge sogenannter Hörfehler ergaben. Ist doch in der Mutterrolle zu Kartenblatt 6 von Ruhland zu finden: Jenschsteck, im Jenschteich, im Jenschstück, Jenschstech und Jenschtech!

Dië übersichtliche Darstellung der genannten Geländeteile wird durch die vom Stadtplan strahlenförmig nach allen Richtungen verlaufenden Hauptwege erleichtert. Die Nordgrenze