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     Und als der Nebelring in Glut

Geschleudert ward ins Weite,
Nicht sank uns der Atomen-Mut,
Du flogst mir zum Geleite.
Und als die Erde sich geballt,

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Da hielt es uns nicht länger,

Uns band der Liebe Vollgewalt
Im Molekül noch enger.

     Doch ach, entsetzlich war die Zeit!
Kaum mag ich mich erinnern;

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Wir wurden grausam bald entzweit,

Mich trieb es nach dem Innern,
Dann sucht’ ich, ach, von Ort zu Ort
Umsonst, die ich erkoren, —
Ich glaubte schon, es riß dich fort,

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Als wir den Mond verloren.


     So lebten fern wir und allein
Millionen wohl von Jahren;
Mein Herz, mein Herz war ewig dein —
Erst spät hast du’s erfahren.

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Als das Geschick von dir und mir

Sich endlich ließ erbitten:
In der Grauwacke krebsten wir
Als kleine Trilobiten.

     Als in der Kohlenformation

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Wir dann uns wiederfanden,

Warst du ein Labyrinthodon,
Ich lag in deinen Banden.
Auf deinen holden Wickelzahn
Sang ich ein Lied alsbalde,

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Sah ich dich mir von ferne nah’n

Im Sigillarienwalde.

Empfohlene Zitierweise:
Kurd Laßwitz: Seifenblasen. Leopold Voß, Hamburg und Leipzig 1890, Seite 135. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Seifenblasen-Kurd_La%C3%9Fwitz-1890.djvu/135&oldid=- (Version vom 20.8.2021)