Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/161

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damit, daß sie Kollár, Šafařík und Manka lesen, drängen sich den Slawophilen auf und kennen alle Sprachen der slawischen Völkerfamilie, ihre eigene aber ist ihnen unbekannt.

Den stärksten Ausdruck fand sein humanitärer Panslawismus in dem dem tschechischen Slawisten P. J. Šafařík[1] gewidmeten Gedichte „Der Ketzer oder Jan Hus“ (Jeretyk abo Iwan Hus, 1845). In der Einleitung preist Schewtschenko den berühmten slawistischen Literaturforscher, weil er „tief unter der Asche mit kühnem Falkenauge späht und eine Leuchte der Wahrheit und Freiheit entfacht …“.

Zuletzt betet der Dichter zu Gott, daß „alle Slawen gute Brüder, Söhne der Sonne der Gerechtigkeit und Ketzer wie der große Märtyrer von Konstanz werden mögen“.

Die poetische Erzählung vom Martyrium des Jan Hus ist künstlerisch wenig bedeutend, aber sie ist höchst bemerkenswert als begeisterte Huldigung eines Protestanten seitens eines Orthodoxen und als flammender osteuropäischer Protest gegen den Gewissenszwang. Die schlichte Erzählung stellt die reformatorischen Bestrebungen von Hus und seinen mutigen Kampf gegen das Papsttum in kurzer Übersicht dar und kulminiert in der Apotheose auf dem Scheiterhaufen.

Auch den Polen gegenüber war Schewtschenko, im Grunde genommen, nicht feindselig. Mit mehrern Häuptlingen der polnischen revolutionären Verschwörer hat er sich aufs innigste befreundet, als er mit ihnen das Los der Verbannung teilte. Den besten Einblick in dieses Freundschaftsverhältnis gibt uns der Briefwechsel, welchen der Dichter mit dem polnischen Schriftsteller Bronislaw Zaleski (1853–1857) führte.[2] Eine ganze Reihe von polnischen Freunden Schewtschenkos wird da genannt. Zaleski erscheint als sein Busenfreund. Aber nicht minder lieb sind ihm einerseits die radikalen Dichter Edward Żeligowski (Antoni


  1. Schewtschenkos Vorliebe für den gelehrten Šafařík rührt wahrscheinlich davon her, daß sein Freund Bodjanskyj gerade damals damit beschäftigt war, die „Slawischen Altertümer“ von Šafařík zu übertragen und schon 1843 seine „Slawische Orthographie“ übersetzt hatte.
  2. Siehe die Zeitschrift „Kiewskaja Starina“ 1883.