Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/162

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Sowa), andrerseits der lateinische Pfarrer in Orenburg, Zielonka. Beide werden von dem ukrainischen Dichter verehrt. Mangelhafte historische Bildung des Dichters war die Ursache, daß er den geschichtlichen Kampf zwischen den Ukrainern und den Polen einseitig beurteilte und grundsätzlich auf den kirchlichen Konflikt zurückführte. Seinem besten Freund Zaleski widmet Schewtschenko ein Gedicht, in welchem die Zeit gepriesen wird, wo es noch keinen Zwang zur kirchlichen Union der Ukrainer mit Rom gab und wo sich die Ukrainer mit Polen aus freien Stücken brüderlich vertrugen. Und in einem Gedichte vom Jahre 1850 klagt Schewtschenko: „Wir verbrüderten uns mit den Ljachen, bis Sigismund III. durch seine Ksondzy (katholische Priester) uns trennte. Seitdem ist es uns schlecht gegangen. Im Namen Christi und der heiligen Mutter zogen die Ljachen ins Feld gegen uns. Die Jesuiten verunreinigten heilige Plätze; Blut wurde vergossen und auf unsrer Erde wuchsen Grabhügel wie Berge auf.“

Infolge der Annäherung an die Polen wurde Schewtschenko bei seiner Rückkehr nach Petersburg von Żeligowski[WS 1] vor der Gründung einer politischen Zeitschrift zu Rate gezogen und von andern Polen herzlich empfangen, was um so natürlicher war, als er dort bereits zurzeit seines künstlerischen und literarischen Auftretens, anfangs 1840, mit vielen Polen verkehrt hatte und von ihnen am frühesten gefeiert wurde.

Man rühmt dem russischen Verfasser der „Aufzeichnungen eines Jägers“ nach, daß er durch seine Bauernerzählungen die literarische Fehde gegen die Leibeigenschaft führte. „Ich konnte nicht“ – schrieb Iwan Turgenjeff – „die gleiche Luft atmen mit denjenigen, die ich haßte. Es war notwendig, mich von meinen Feinden zu entfernen, um von meiner Ferne aus sie nur desto kräftiger anzugreifen. Vor meinen Augen hatte dieser Feind eine bestimmte Form und trug einen bekannten Namen: Leibeigenschaft. Unter diesem Namen sammelte und konzentrierte ich alles, gegen das ich beschlossen hatte, bis zu Ende zu kämpfen, und mit welchem ich mich nie versöhnen würde. Es war mein Hannibalschwur.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Želigowski