Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/174

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Nein … Ihr hört nicht … und nie
wird ein Mann nach mir fragen …“[1]

In zwei gleichnamigen Gedichten „Das Tuch“ (Chustyna) aus den Jahren 1844 und 1847 wird das gleiche Motiv, dem bekannten russischen „Roter Sarafan“ von Mersljakoff etwas ähnelnd, behandelt. Das Mädchen näht singend ein Tuch und erwartet umsonst den geliebten Tschumaken, respektive Kosaken. Nur sein Leichnam kommt zurück. Das Tuch, das eine Rolle bei der Sitte des Brautwerbens spielen sollte, wird nun an das Kreuz auf dem Grabhügel gehängt, wo die Winde mit ihm ihr Spiel treiben. Und die Beständigkeit, die Treue, sie bleiben zumeist Sache des Weibes. Die reiche, schöne Kateryna (in einem Gedichte vom Jahre 1848) empfängt in ihrem Hause drei Saporoger, die von ihrem Reiz entzückt sind und sie versprechen alles zu tun, um sich ihrer Gunst zu erfreun. Kateryna teilt dann mit, daß ihr einziger Bruder als Gefangener in der Krim weile, und sie erklärt sich geneigt, seinen Retter als Gemahl willkommen zu heißen. Die drei Saporoger eilen nach der Krim, um den Rettungspreis zu gewinnen. Der erste wird vom Strudel des Dnipró verschlungen, der zweite in Koslow (Eupatoria) an den Pfahl gespießt; der dritte aber erreicht das Ziel und führt den Gefangenen heim. Nun aber enthüllt Kateryna ihren Betrug: der Gerettete ist nicht ihr Bruder, sondern ihr Geliebter. Sie wird sofort getötet.

„… Die Schollen deckten
Katerynens Glieder.
Doch die tapferen Saporoger
wurden Waffenbrüder.“[2]

Im Weibe sah Schewtschenko weniger die geliebte Braut als die Mutter und das durch ethische und soziale Mißverhältnisse erniedrigte Wesen, das sein Gerechtigkeitsgefühl erregte und sein tiefstes Mitfühlen. „In unserm irdischen Paradies – sagte er – gibt es nichts Schönres als


  1. Übertragen von Oskar Hrycaj; auch von J. Virginia.
  2. Deutsch von A. Bosch.