Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/182

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Hinweisungen auf die Geschichte, die Volksideen und Überlieferungen gründen und allen diesen Ursachen zufolge sind sie dem einfachen Volke unverständlich und haben nichts, womit man sympathisieren kann.“

Man könnte es gewissermaßen begreiflich finden, wenn Bjelinskij, der für die Volkspoesie überhaupt wenig Verständnis hatte, den „Hajdamaken“ gegenüber sich skeptisch und kühl verhielt. Die Literaturgeschichte kann ihm aber schwerlich verzeihn, daß er den „Kobsar“ vom Jahre 1844 totschwieg und die großartigen Kampfgedichte vom Jahre 1845 als „Pasquillen“ abfertigte.

Eine gerechte Würdigung erhielt Schewtschenko von der russischen Literaturkritik erst nach dem sozialen Durchbruch in Rußland um 1860. Apollon Grigorjeff schrieb in der Zeitschrift der Brüder Dostojewskij, „Wremja“ u. a.: „Durch die Schönheit und die Kraft seiner Dichtung kann Schewtschenko Puschkin und Mickiewicz gleichgestellt werden. Ja, wir gehn noch weiter: Schewtschenko besaß die nackte Schönheit der volkstümlichen Poesie, wovon bei Puschkin und Mickiewicz nur einzelne Funken hervorglänzten. Die Natur Schewtschenkos war klarer, einfacher und aufrichtiger als diejenige Gogols, des großen Dichters der Ukraine, welcher sich auf einen falschen Standpunkt stellte, indem er der Dichter des seinem Wesen fremden großrussischen Volkes wurde. Er war der letzte Kobsar und der erste große Dichter der neuen großen Literatur.“

Wahre Genugtuung wurde Schewtschenko in der russischen Literatur durch die prachtvoll ausgestattete und pietätvolle, wenn auch nicht einwandfreie Übersetzung – mit Paralleltexten – der „Hajdamaken“ von Gerbel (1886). Der fleißige Literaturhistoriker Skabitschewskij nennt Schewtschenko „einen Giganten der südrussischen Poesie“, und der hervorragende Forscher Pypin schrieb im „Wjestnik Jewropy“ 1888: „Schewtschenko war und bleibt in der Tat bis jetzt der stärkste und begabteste Dichter der kleinrussischen Sprache, so originell, daß etwas seiner Dichtung Ebenbürtiges in der slawischen Poesie kaum zu finden ist.“ Auch viele der größten russischen Zeitschriften („Russkaja