Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/183

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Starina“, „Wjestnik Jewropy“, „Istoritscheskij Wjestnik“, „Russkoje Bogatstwo“ etc.) haben in den letzten Jahrzehnten eine Menge von anerkennenden Aufsätzen dem ukrainischen Dichter gewidmet.[1] Es gibt sogar ein „Auf den Tod Schewtschenkos“ betiteltes russisches Gedicht, das von Iwan Franko ins Deutsche übertragen ist[2] und von Nekrasoff auf dem Sterbebett verfaßt sein soll. Der Ton des Gedichtes stimmt mit der Nekrasoffschen Muse gut überein. Es wundert mich nur, daß das der Schwester des Todkranken diktierte Gedicht nicht in die gesammelten Werke Nekrasoffs[3] aufgenommen worden ist, und es scheint mir immerhin fraglich, ob der erschöpfte proletarische Dichter im Kriegsjahre 1877, wo seine Gedanken um das unvollendete Bauernepos „Wer lebt glücklich in Rußland?“ kreisten, dem sechzehn Jahre zuvor gestorbenen Schewtschenko noch einen Nachruf widmen konnte. Schließlich muß das Sammelwerk erwähnt werden, das anläßlich der großen Gedenkfeier in Moskau am 26. Februar 1911 publiziert wurde, mit Beiträgen von dem kürzlich verstorbenen Prof. A. Korsch u. a.

Was Schewtschenko für die ukrainische Literatur bedeutet, kann hier nur angedeutet werden und das literaturkritische Material, das ukrainischerseits schon herausgegeben worden ist, überschreitet den engen Rahmen dieser Literaturstudie, könnte ich es auch bewältigen. Es genügt hier zu konstatieren, daß Schewtschenko seit seinem ersten Hervortreten von seinen urteilsfähigen Landsleuten als das literarische Oberhaupt betrachtet wurde und man braucht nur die moderne ukrainische Literatur zu überblicken, um zu sehn, was für tiefe Spuren Schewtschenko in ihr hinterlassen hat. Weiters genügt die Tatsache, daß der erste und angesehenste


  1. Gute russische Schewtschenko-Übersetzungen von A. Koltonskij und M. Slawinskij im „Wjestnik Jewropy“ 1911. – Polnische Übertragungen von L. Sowinski (1861), W. Syrokomla und A. Gorzalczynski (1862). Tschechische von Ružena Jesenska (Prag 1900) und kroatische von August Harambašić (Agram 1887). Auch in der serbischen Zeitschrift „Vila“ kommen Gedichtproben vor (1868).
  2. Seite 28 in der Ukrainischen Rundschau 1914 (Schewtschenko-Heft).
  3. Es findet sich keine Spur davon in der Auflage vom Jahre 1899.