Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/49

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dein Immergrün – und in dem Haine
vertrocknet still der Teich, der kleine,
wo du gebadet – frisch und rein;
und trauernd steht und welkt der Hain.
Von seinen Vögeln hört man keine –
trugst du mit dir sie alle weg?
Den Brunnen siehst du niemals wieder
und jener Pfad, den du gegangen,
ist jetzt schon längst ein Dornenweg.
Wohin bist du entschwebt, entschwunden,
an wen denn hast du dich gebunden?
In fremdem Land, in fremdem Kreis –
wen, wen erfreust du? Wessen Hand
hält dich dort ferne also fest? …“[1]

Aber bis zum letzten Atemhauch will er nicht aufhören, für die Ukraine zu beten. Seine eigenen Qualen, sein künftiges Los verschwinden in Anbetracht der Leiden seines Volkes. Diese erhabene persönliche Entsagung findet in dem Gedichte „Mir ist es gleich“ beredten Ausdruck:

„Mir ist es gleich, ob mir noch Tage
in meiner Ukraine winken,
ob in der Fremde Schneegefilden
ich in Vergessenheit versinke –
ganz einerlei ists mir, fürwahr! –
Als Sklave wuchs ich manches Jahr,
als Fremdling auf, der Heimat fern;
der Heimat fern, den Lebenslauf
beschließ’ ich bald und unbeweint
dem Grabe mich der Tod vereint!
Die kleinste Spur wird kaum sich finden
von meinem Sein in kurzer Frist
in unserer schönen Ukraine,
die dennoch unser Land nicht ist.
Nicht wird der Sohn den Vater mahnen:
O bet’ für ihn, o wein’ ihm nach,
der für die Ukraine Ungemach
und Todesqualen hat erlitten!

Mir ist es gleich, ob solche Bitten
ertönen für mein Seelenheil!
Nicht aber kann es kalt mich lassen,


  1. Übersetzt von Ostap Hrycaj; auch von J. Virginia.