Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/70

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der von den Ljachen ward verbrannt.[1])
Dann wollten wir hinunter
im dunklen Hain am Dnipró wandern,
bevor die Welt in Schlaf versinket,
bevor der Mond mit seinen Strahlen
durch Nebelschleier ist gedrungen …
und nach Gebet und Zwiegesprächen
das Abendbrot im Häuschen essen.“[2])

Des öftern suchte Schewtschenko im wirklichen Leben seine Oksana, doch immer vergeblich. Schon als Jüngling soll er an einer gewissen Dunja Hoschowska Gefallen gefunden haben, aber die Leibeigenschaft verhinderte seine freie Wahl. Als er nach der Befreiung aus der Leibeigenschaft zum erstenmal die Ukraine besuchte, verliebte er sich in die Tochter eines Popen, die ihn auch lieb gewann, deren Vater aber von einer Ehe der beiden nichts wissen wollte. Auf diese Episode bezieht sich wohl eine Andeutung in einem Briefe, den Schewtschenko 1850 an O. M. Bodjanskij schrieb: „Ich fuhr damals von Petersburg nach Kiew, wollte eben heiraten, um wie andre rechtschaffne Leute zu leben, und hatte schon eine Lebensgefährtin gefunden. Gott segnete aber meinen guten Willen nicht. Möchte ich nur mein kurzes Leben in unsrer geliebten Ukraine beschließen! Die Tränen fließen, wenn ich daran denke …“

Als Schewtschenko 1857 in Nizhnij Nowgorod weilte, fand er Gefallen an der hervorragenden Schauspielerin Katenka Piunowaja, die er auf der Bühne in ukrainischer Nationaltracht bewundert hatte. Sie konnte – was übrigens recht verzeihlich war – keine besondere Sympathie für den „glatzköpfigen Kirgisen“ hegen und als er förmlich um ihre Hand warb, bekam er natürlich „die schwarze Suppe“ (wie die Ukrainer sagen für einen Korb).

Als er aber 1859 in der Ukraine war und sein eignes Haus bauen lassen wollte, war er gewiß von ernsten Eheplänen beseelt und er seufzt denn auch in einem Gedicht aus jener Zeit:

  1. Nalywajko, der angeblich von den Polen lebendig verbrannt wurde.
  2. Metrische Übertragung von O. Hrycaj.