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die Mädchen) von uns Diakonissen übernommen. Bald werden dann aber auch für andere Schulen Lehrerinnen gefordert werden, und da ist’s nötig, daß man bei dem Mangel an vorhandenen Lehrkräften das Auge hoffnungsvoll auf das heranreifende Geschlecht richtet. (Ich schreibe als eine alte, erfahrene Diakonissin). Also Marie ist unter uns wohl zu brauchen. So viel ist gewiß. Allein eine Diakonissin soll nach den hier herrschenden Grundsätzen nicht bloß die eine Seite des Diakonissenberufes verstehen, der sie sich zeitweilig hingibt, sondern eine Diakonissin soll alles verstehen. „Mein Ideal ist eine solche Diakonissin, die ebensowohl einer Stallmagd als Substitutin beigegeben werden könnte, als sie Geschichte lehren kann, was ich immer für das Höchste halte.“ Allseitigkeit muß angestrebt werden, und die zu erreichen ist auch Maries Ziel, weshalb ich’s für das Beste fände, wenn sie etwa ein Jahr lang sich in allen häuslichen Geschäften ganz gründlich übte und dann als Blaue Schülerin einträte. Unterdessen wäre sie auch älter geworden, was sehr gut wäre. Man neigt sich auch hier immer mehr dem Grundsatz zu, nur ausnahmsweise eine Aufnahme unter 18 Jahren zu gestatten. – Was sagst Du dazu?

 Doris Braun kommt am 1. Oktober wieder hieher, um hier zu bleiben. Wir freuen uns alle darüber. Sie kommt hieher als Probemeisterin, d. h. als Leiterin und Aufseherin derjenigen Schülerinnen, die Diakonissen werden wollen und ihre Probezeit also durchzumachen haben. Es entsteht das Amt erst mit ihrer Person, hat sich aber als ein durchaus nötiges erwiesen. Außerdem soll sie Assistentin der Frau Oberin werden. Hunderttausend Veränderungen stehen mit dem neuen Semester bevor. Und zu alle dem will Herr Pfarrer im nächsten Semester den gesamten Unterricht des Hauses einer gründlichen Revision unterziehen, auch die diesjährige Prüfungsordnung ganz anders formieren. „Immer derselbe Gang ist so langweilig.“ Das ist ganz charakteristisch für unser Leben. Nur immer Veränderung, nur immer im Zuge bleiben, nur der trägen Natur keine Zeit lassen auf dem weichen Bette der Gewohnheit einzuschlafen!

 Unser Betsaal soll zu Weihnachten eingeweiht werden, wenn er fertig wird. Unser Paramentenverein wird da vollauf

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/100&oldid=2951025 (Version vom 10.11.2016)