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 ...Denke Dir, neulich war die Vorsteherin des Dresdener Diakonissenhauses, Frau Pastorin Fröhlich, hier. Sie brachte ihre Schwägerin zu uns als Grüne Schülerin. Wir freuen uns dieses Bindeglieds zwischen unserer und der Dresdener Diakonissenanstalt. Frau Pastorin ist eine sehr liebenswürdige, grundgescheite und gebildete Frau. Sie mußte uns viel von dem Dresdener Diakonissenleben erzählen. Was uns besonders freute, war, daß in ihrer Anstalt jeden ersten Sonntag im Monat für alle Diakonissenhäuser gebetet wird und daß bei diesen Fürbitten Dettelsau obenan steht.

Deine dankbar Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 4. Januar 1862

 Meine liebste Mutter, ...es werden der Sorgen immer weniger, und ich wünsche Dir zum neuen Jahre, daß Du gar keine mehr haben mögest. Gott will sie Dir ganz sicherlich alle miteinander abnehmen. Eben deswegen freue ich mich auch so viel mehr über Maries Verwendung am hiesigen Rettungshaus. Sie bekommt nun als Probeschwester jährlich 40 Gulden Gehalt. Du freust Dich gewiß auch darüber, noch mehr aber über die andern Vorteile und Wohltaten, die Gottes väterliche Fürsorge durch diese Wendung der Marie zuteil werden läßt. Sie kann hier bleiben – o, und was schließt das alles in sich – und hat einen gar lieblichen, ihrer Kraft und Gabe gerade angemessenen Beruf. Sie schreibt Dir ja selber mehr davon.

 Einen Wunsch zum neuen Jahr habe ich Dir schon gesagt; aber noch einen zweiten habe ich für Dich. Wir sind am glücklichsten, wenn wir alles, was da kommt, es sei klein oder groß, als von Gott annehmen. Das war es, was mir Herr Pfarrer zu meinem Geburtstag wünschte, und ich wünsche Dirs wieder von Herzensgrund zum neuen Jahr. Man kann so ruhig und sorglos sein, daß wir in der gnädigen Hand eines Vaters liegen, der die Zahl unserer Haare weiß, geschweige um die größeren Dinge, die uns betreffen, sich kümmert...

 Mir geht es in meinem Beruf fortwährend gut, wenn auch viel Mühsal dabei ist. Ungeratene Kinder erziehen helfen, ist

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/125&oldid=2951031 (Version vom 10.11.2016)